Hände mit Taschenrechner, Stift und Papieren

Hessisches Statistisches Landesamt

Hessens Kommunen mit Finanzierungsdefizit von 2,4 Milliarden Euro

Die kommunalen Kernhaushalte in Hessen haben 2025 das dritte Jahr infolge ein Finanzierungsdefizit verzeichnet. Dieses belief sich auf 2,4 Milliarden Euro (2024: 2,5 Milliarden Euro). Rund jede fünfte hessische Kommune (21,2 Prozent) erzielte einen Finanzierungsüberschuss.

Nach vorläufigen Ergebnissen des Hessischen Statistischen Landesamts haben die Kernhaushalte der hessischen Kommunen im Jahr 2025 ein Finanzierungsdefizit von insgesamt 2,4 Milliarden Euro verzeichnet. Bezogen auf die Gesamtzahl der hessischen Bevölkerung entsprach dies einem negativen Saldo von 388 Euro pro Kopf. Gegenüber dem Vorjahr verringerte sich das Defizit leicht um 42 Millionen Euro bzw. 1,7 Prozent. 2024 hatte es bei rund 2,5 Milliarden Euro gelegen.

Die Gründe für das weiterhin hohe Finanzierungsdefizit der kommunalen Kernhaushalte liegen in ähnlich starken Zuwächsen bei den Ein- und Auszahlungen. So nahmen die bereinigten Auszahlungen im Vorjahresvergleich um 4,4 Prozent auf 40,8 Milliarden Euro zu, während die bereinigten Einzahlungen um 4,8 Prozent auf 38,4 Milliarden Euro stiegen.

Die Kommunen gaben im Vorjahresvergleich vor allem für Sach- und Dienstleistungen mehr Geld aus, insbesondere für die Unterhaltung und Bewirtschaftung von Grundstücken und baulichen Anlagen. Auch die Ausgaben für soziale Leistungen nahmen zu, insbesondere für dieEingliederungshilfe nach SGB IX (Sozialgesetzbuch Neuntes Buch). Die Mehrausgaben in diesen Bereichen machten 36,6 Prozent (893,5 Millionen) des Finanzierungsdefizits aus. Auf der Einnahmenseite erhöhten sich die Einzahlungen aus dem Gemeindeanteil der Einkommensteuer um 8,2 Prozent (plus 360,1 Millionen) und der Gewerbesteuer um 3,0 Prozent (plus 230,3 Millionen) zum Vorjahr.

Finanzierungsdefizit bei vier von fünf hessischen Kommunen

Vier von fünf Kommunen in Hessen (78,8 Prozent) wiesen 2025 ein Finanzierungsdefizit auf. 2024 hatte der Anteil bei 79,2 Prozent gelegen. Demgegenüber erzielten 21,2 Prozent der Kommunen 2025 einen Überschuss (2024: 20,8 Prozent).

Der Median der kommunalen Finanzierungssalden lag im Jahr 2025 bei minus 1.544.079 Euro (2024: minus 1.497.522 Euro). Damit setzte sich die negative Entwicklung seit dem Jahr 2021 fort, als der Median noch bei plus 469.395 Euro gelegen hatte.

Die höchsten Finanzierungsüberschüsse im Jahr 2025 entstanden mit 160,0 Millionen Euro bei der Stadt Offenbach am Main, gefolgt von Battenberg (Eder) mit 89,9 Millionen Euro und dem Landkreis Waldeck-Frankenberg mit 16,3 Millionen Euro.

Bis auf Offenbach am Main verzeichneten die größeren Städte in Hessen Finanzierungsdefizite: Davon die höchsten in Frankfurt am Main (minus 256,1 Millionen Euro), der Landeshauptstadt Wiesbaden (minus 126,0 Millionen Euro), der Universitätsstadt Marburg (minus 119,0 Millionen), Rüsselsheim am Main (minus 115,4 Millionen Euro), der Wissenschaftsstadt Darmstadt (minus 74,5 Millionen Euro) und der Brüder-Grimm-Stadt Hanau (minus 61,0 Millionen Euro). Auch der Landeswohlfahrtsverband (LWV) Hessen, der als landesweiter Kommunalverband ebenfalls zu den Kommunen zählt, wies ein neunstelliges Defizit auf (122,3 Millionen Euro).

Biebergemünd, Poppenhausen (Wasserkuppe) und Philippsthal (Werra) mit höchstem Finanzierungsdefizit pro Kopf

Während bei den größeren hessischen Städten in absoluten Zahlen die höchsten Finanzierungsdefizite entstanden waren, verändert sich das Bild, wenn die Bevölkerungszahlen der Kommunen berücksichtigt werden: So verzeichneten Biebergemünd (2.438 Euro), die Stadt Poppenhausen (Wasserkuppe) (2.415 Euro) und die Marktgemeinde Philippsthal (Werra) (1.934 Euro) im Jahr 2025 pro Kopf die höchsten Finanzierungsdefizite. Bei den kreisfreien Städten entstand das höchste Pro-Kopf-Defizit mit 445 Euro in der Wissenschaftsstadt Darmstadt. Es folgen die Landeshauptstadt Wiesbaden (437 Euro pro Kopf) und Frankfurt am Main (338 Euro). Unter den Kreisverwaltungen wies der Landkreis Hersfeld-Rotenburg mit 266 Euro das höchste Defizit pro Einwohnerin und Einwohner aus. Durchschnittlich verzeichnete eine hessische Kommune 2025 ein Defizit in Höhe von 207 Euro pro Kopf.

Die drei höchsten Pro-Kopf-Überschüsse im Jahr 2025 erzielten die Städte Battenberg (Eder) (16.615 Euro), Offenbach am Main (1.204 Euro) und Fronhausen (737 Euro).

Hinweise:

Der Finanzierungssaldo berechnet sich als Differenz aus den bereinigten Ein- und bereinigten Auszahlungen. Die „bereinigende“ Wirkung entsteht dadurch, dass bestimmte vermögenswirksame Finanzierungsvorgänge der Kommunen, wie beispielsweise die Aufnahme oder Tilgung von Krediten, unberücksichtigt bleiben. Der Finanzierungssaldo bildet demnach nicht die Verschuldungssituation einer Kommune ab, sondern lediglich, ob innerhalb eines Jahres die Einzahlungen die Auszahlungen überstiegen oder umgekehrt.

Der Median stellt den Mittelpunkt im gesamthessischen Datensatz dar, wenn die Salden aller Kommunen der Größe nach sortiert werden. Folglich liegen 50 Prozent aller Datensätze unterhalb bzw. oberhalb dieses Wertes. Im Gegensatz zum Mittelwert ist der Median weniger anfällig für Ausreißer.

Die Daten für das Berichtsjahr 2025 stammen aus den Kassenergebnissen der Gemeinden und Gemeindeverbände und haben einen vorläufigen Charakter. Turnusmäßig werden diese durch die endgültigen Rechnungsergebnisse ersetzt.

Bei der Pro-Kopf-Betrachtung sind die Bevölkerungszahlen zum Stichtag 30. Juni 2025 (Zensus 2022) zu Grunde gelegt worden.

In der vorliegenden Pressemitteilung werden zwei verschiedene Werte für das Finanzierungsdefizit pro Kopf angegeben. Das liegt an zwei Berechnungsweisen: Die 388 Euro pro Einwohnerin und Einwohner ergeben sich, indem das gesamte Defizit aller hessischen Kommunen durch die Einwohnerzahl Hessens geteilt wird. Die 207 Euro pro Einwohnerin und Einwohner sind ein Durchschnittswert über alle Kommunen: Dafür wird zunächst für jede Kommune das Defizit je Einwohnerin und Einwohner berechnet und anschließend der Mittelwert gebildet. Dabei werden Einwohnerinnen und Einwohner rechnerisch mehrfach berücksichtigt – etwa, weil sie gleichzeitig zu einer Stadt, einem Landkreis und weiteren kommunalen Ebenen gehören.

Weitere Zahlen erhalten Sie in unserer Tabelle „Finanzierungssalden der Kernhaushalte der hessischen Gemeinden und Gemeindeverbände 2015 bis 2025“Öffnet sich in einem neuen Fenster auf unserer Fachseite Finanzen.

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