Am 14. Januar feiert das Hessische Statistische Landesamt (HSL) seinen 80. Geburtstag. „80 Jahre HSL, das sind 80 Jahre verlässliche Zahlen und Fakten für Hessen. Es hat sich viel getan in acht Jahrzehnten amtlicher Statistik: Neue Erhebungen, neue Methoden, viel Digitalisierung“, so HSL-Präsidentin Dr. Christel Figgener. „Aber den gesetzlichen Grundsätzen der Objektivität, der Neutralität und der wissenschaftlichen Unabhängigkeit ist das HSL immer treugeblieben – und das macht uns damals wie heute unverzichtbar als Grundbaustein für eine funktionierende Demokratie.“
HSL älter als Land Hessen
Was kaum jemand weiß: Das HSL ist älter als Hessen selbst. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs beauftragte die amerikanische Militärregierung die Gründung einer unabhängigen Statistikbehörde, um für die Landes- und Kommunalverwaltung in Hessen ein solides Datenfundament für den Wiederaufbau zu schaffen. Am 14. Januar 1946 nahm das HSL – damals noch unter dem Namen „Statistisches Amt für Groß-Hessen“ in Wiesbaden seine Arbeit auf – fast elf Monate vor Inkrafttreten der hessischen Landesverfassung am 1. Dezember. Zu seinen ersten Aufgaben gehörte die Durchführung einer Volks-, Berufs- und Wohnungszählung im Jahr 1946. Seitdem ist die Erhebung, Auswertung und Veröffentlichung qualitativ hochwertiger Daten bis auf Kreis- und Gemeindeebene das Kerngeschäft des HSL und eine zentrale Planungs- und Entscheidungsgrundlage für Politik, Verwaltung und Wirtschaft in Hessen.
Stets am Puls des technischen Fortschritts
Bis in die 1970er Jahre hinein war amtliche Statistik echte Handarbeit: Daten wurden manuell erfasst und ausgewertet, allenfalls mit Hilfe von Lochkarten und Stecktafeln. Nach und nach wurden die Hilfsmittel professioneller. Einen Einschnitt markierte dabei der Einzug von Rechnern in die hessische Landesverwaltung ab den 1970er Jahren. Zunächst sorgten Großrechner dafür, dass das HSL Prozesse standardisieren und erstmals große Datenmengen automatisiert verarbeiten konnte. Ab den 1990er Jahren machten es die ersten persönlichen Rechner (PC) möglich, Arbeitsschritte zunehmend zu digitalisieren und Einzeldatenbestände am eigenen Rechner zu verarbeiten. Dadurch wurden die Erhebungen effizienter und die Auswertungen schneller.
Die Etablierung des Internets zur Jahrtausendwende war ein Meilenstein für die amtliche Statistik: Im Jahr 2000 stellte das HSL seine Daten erstmals online bereit, die ersten Wahlergebnisse in Echtzeit waren bei der Bundestagswahl 2002 auf der HSL-Internetseite abrufbar, übrigens über ein eigens vom HSL entwickeltes Wahlsystem. Seitdem wurden die Möglichkeiten der digitalen Datengewinnung und -verfügbarkeit immer weiter ausgebaut: Unternehmen melden schon seit 2013 ihre Daten gemäß der Online-First-Strategie fast ausschließlich elektronisch an das HSL. Auch Privatpersonen können bereits seit einigen Jahren über Online-Fragebogen ihrer Meldepflicht nachkommen – in den meisten Fällen sogar ganz schnell und bequem per Smartphone. „Angesichts unserer 1.200 statistischen Veröffentlichungen pro Jahr ist das eine enorme Entlastung für Unternehmen und Haushalte“, freut sich Figgener. „Zudem nutzen wir bereits vorhandene Verwaltungsdaten und neue digitale Methoden wie Webscraping, Fernerkundung aus dem All oder Forecasting, um unsere Zahlen noch flexibler am Bedarf der Nutzenden auszurichten, ihre Qualität noch weiter zu verbessern und sie noch schneller zu veröffentlichen.“
Verlässliche Daten in Zukunft wichtiger denn je
Es warten in den kommenden Jahren aber auch Herausforderungen auf die amtliche Statistik. „Digitalisierung und Entbürokratisierung werden unsere Zukunft prägen“, ist sich Figgener sicher. „Auskunftspflichtige so weit wie möglich zu entlasten und die digitale Verwaltung weiter voranzutreiben – damit beschäftigen wir uns schon jetzt sehr intensiv, beispielsweise bei der Registermodernisierung, bei der digitalen Bauakte und in der Erschließung neuer digitaler Daten, etwa mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz.“ Das werden auch im kommenden Jahrzehnt zwei der Hauptaufgaben des HSL sein – natürlich immer unter der Voraussetzung, nichts an Datenvielfalt und -qualität einzubüßen.
Denn eins ist klar: Die amtliche Statistik wird in Zukunft wichtiger sein denn je. Als Datenzentrum für eine faktenbasierte Politik und eine moderne Verwaltung, als verlässliche Quelle gegen Desinformation und Fake News für eine gut informierte Öffentlichkeit, als Grundbaustein einer funktionierenden Demokratie. Daher steht der 80. Geburtstag des HSL unter dem Motto „Fakten für morgen“. Warum dieses Motto nicht passender sein könnte und was der Hessische Ministerpräsident Boris Rhein zum HSL-Jubiläum sagt, erfahren Sie in unserer StoryMap.Öffnet sich in einem neuen Fenster
Hinweis:
Weitere Informationen sowie Fachartikel ( WebscrapingÖffnet sich in einem neuen Fenster, Fernerkundung aus dem All, Forecasting) zu neuen digitalen Methoden der amtlichen Statistik finden Sie auf unserer Internetseite.