Papierberge, Zeitverzögerungen, unvollständige Unterlagen – seit 1952 erhebt das Hessische Statistische Landesamt (HSL) Zahlen zur Bautätigkeit in Hessen und lange Zeit war dies mit erheblichem Aufwand verbunden, weil alle Daten analog gemeldet und bearbeitet werden mussten. Pünktlich zum Jubiläumsjahr 2026 ist damit Schluss, denn als erstes Bundesland steht Hessen kurz davor, den gesamten Prozess der Baugenehmigungen vollständig digital abzuwickeln. Aber der Reihe nach!
Was ist das digitale Bauportal?
Das digitale Bauportal ist ein zentrales Online-Verfahren für Bauanträge in Hessen. Bauherrinnen und Bauherren geben dort alle Informationen ein, die für die Baugenehmigung notwendig sind. Diese Angaben werden direkt an die zuständige untere Bauaufsichtsbehörde übermittelt und dort weiterbearbeitet.
In das Bauportal ist eine vollautomatisierte Schnittstelle integriert, die alle statistischen Angaben aus dem digitalen Bauantragsverfahren direkt an das HSL übermittelt.
Worin besteht der Vorteil für die Auskunftspflichtigen gegenüber dem bisherigen Verfahren?
Bis zur Einführung des digitalen Bauportals wurden Bauanträge überwiegend in Papierform an die Bauaufsichtsbehörden übermittelt. Der Auskunftsbogen zur Statistik wurde dabei von der Baubehörde auf Richtigkeit der Angaben und Vollständigkeit geprüft und an das HSL weitergeleitet.
Durch die Einführung des digitalen Bauportals muss die Bauherrin bzw. der Bauherr ihre bzw. seine Daten nur einmal in das Bauportal eingeben. Gleichzeitig entfällt für die unteren Bauaufsichtsbehörden der zusätzliche Aufwand, die statistischen Daten an das HSL zu melden. Mehrere staatliche Stellen greifen auf dieselben Informationen zu, ohne zusätzliche Formulare oder Meldewege. Das spart Zeit, Personalressourcen und reduziert Fehlerquellen.
Was bedeutet die Einführung des digitalen Bauportals für die amtliche Statistik?
Für die amtliche Statistik bringt das digitale Bauportal einen grundlegenden Qualitätssprung. Bisher wurden Baugenehmigungen häufig im sogenannten Berichtszeitraum ausgewiesen, also erst dann, wenn die Meldungen der Bauaufsichtsbehörden gesammelt und an die amtliche Statistik weitergeleitet waren. Künftig erfolgt die statistische Erfassung im Ereigniszeitraum, das heißt genau dann, wenn die Baugenehmigung tatsächlich erteilt wird. Dadurch sind die Daten nicht nur deutlich aktueller, sondern auch vollständig, weil jede digital erteilte Genehmigung automatisch statistisch erfasst wird. Durch die automatisierte Meldung entsteht ein laufend aktualisiertes Bild der Bautätigkeit in Hessen.
Wie ist der aktuelle Projektstand und wie geht es in Zukunft weiter?
Seit Mai 2026 fließen die ersten Baugenehmigungen digital und in Echtzeit an das Hessische Statistische Landesamt. Zunächst wurde der Vogelsbergkreis als erste Bauaufsichtsbehörde in die Statistikschnittstelle eingebunden, Schritt für Schritt folgen weitere und bis zum Ende dieses Jahres soll das System auf alle anschlussfähigen digitalen Bauaufsichtsbehörden Hessens ausgerollt werden.
Darüber hinaus soll das digitale Bauportal schrittweise auf weitere Phasen des Baugeschehens ausgeweitet werden, das heißt, neben der Baugenehmigung sollen zukünftig insbesondere auch der Baubeginn und die Baufertigstellung statistisch über das Bauportal erfasst werden.
Mit dem digitalen Bauportal hat Hessen die technischen Voraussetzungen für eine moderne, medienbruchfreie und aufwandsarme Statistikmeldung geschaffen. Nun ist es daran, die Prozesse weiter zu optimieren und konsequent zu digitalisieren – immer mit dem Ziel, Verwaltung zu entbürokratisieren, Abläufe effizienter zu gestalten und hochwertige, aktuelle Statistikdaten bereitzustellen.
Hinweise:
Die wichtigsten Konjunktur- und Wirtschaftsindikatoren für Hessen finden Sie kompakt zusammengefasst auf unserer Übersichtsseite.
Unter dem Motto „80 Jahre Statistik Hessen. Fakten für morgen.“ feiert das Hessische Statistische Landesamt 2026 sein 80-jähriges Jubiläum. Mehr zur Geschichte der hessischen Statistik erfahren Sie auf unserer Internetseite.