1. Einleitung

Die Digitalisierung von Arbeitsprozessen sowie die Nutzung von Verwaltungsdaten sind gegenwärtig zwei der wichtigsten Themen der amtlichen Statistik. Neben der Realisierung von Aktualitäts- und Qualitätsgewinnen sowie einer Vereinfachung der Datenverarbeitung wird hierdurch die Entlastung von Berichtspflichtigen zu statistischen Erhebungen angestrebt. Die Nutzung bereits verfügbarer Verwaltungsdaten erlaubt es, Primärerhebungen zu reduzieren oder ganz auf diese zu verzichten. Durch die konsequente Umsetzung dieses „Once-Only“-Prinzips können Effizienzgewinne realisiert und Bürokratiekosten gesenkt werden.

Das statistische Unternehmensregister (URS) ist ein zentrales Element der amtlichen Statistik, da es als Auswahlgrundlage und Datenbank für einen Großteil der wirtschafts-, energie- und umweltstatistischen Erhebungen dient. Seit August 2019 werden im Hessischen Statistischen Landesamt (HSL) die Bekanntmachungen des elektronischen Handels- und Genossenschaftsregisters (EHUG) ausgewertet, um die Aktualität und Qualität des URS zu steigern. Aufbauend auf ersten Arbeiten im Statistischen Verbund zur Nutzung von Handelsregisterdaten (siehe Schneider 2019) liegt der Fokus auf einer möglichst weitgehenden Automatisierung der Verarbeitung der EHUG-Daten. Diese Verarbeitung basiert zum einen auf einer präzisen, qualitätsgesicherten Identifikation relevanter Änderungen sowie potentieller Neuaufnahmen für das URS. Zum anderen auf der Nutzung von Schnittstellen zur automatisierten Übertragung der Informationen.

Dieser Fachartikel ist wie folgt aufgebaut: Kapitel 2 gibt einen Überblick über das URS und seine externen Datenquellen. Kapitel 3 geht auf die EHUG-Daten sowie auf deren Verarbeitung vor Einführung des neuen Workflows ein. Der neue Workflow wird vorgestellt und das Spannungsfeld zwischen dem Einsatz solcher neuer Verfahren und den hohen Qualitätsanforderungen der amtlichen Statistik aufgezeigt. Kapitel 4 gibt einen konkreten Einblick in den Erkenntnisgewinn durch den neuen Workflow. Der Fachartikel schließt in Kapitel 5 mit einer Darstellung geplanter Erweiterungen sowie einem Fazit zur Einführung der EHUG-Verarbeitung im HSL.