Gender Pay Gap

Der Gender Pay Gap beschreibt den geschlechtsspezifischen Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern. Für seine Berechnung werden die Bruttostundenverdienste der Frauen und Männer einer Gruppe (z. B. innerhalb einer Altersgruppe, einer Branche oder eines Bundeslandes) ermittelt und daraus der Gender Pay Gap berechnet.

Die amtliche Statistik unterscheidet zwischen dem unbereinigten und dem bereinigten Gender Pay Gap. Für das Jahr 2014 stehen nun erstmals auch Ergebnisse zum bereinigten Gender Pay Gap auf Ebene der Bundesländer zur Verfügung. (Tabellen)

Der unbereinigte Gender Pay Gap ist definiert als Differenz zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten männlicher und weiblicher Beschäftigter im Verhältnis zum durchschnittlichen Bruttostundenverdienst männlicher Beschäftigter.

Er vergleicht somit den Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmerinnen bzw. Arbeitnehmer über alle Branchen und Berufe in allgemeiner Form miteinander ohne Berücksichtigung individueller Merkmale. Die Ursachen und Hintergründe des geschlechtsspezifischen Verdienstunterschieds macht dieser Indikator nicht deutlich. Es wird auch jener Verdienstabstand miterfasst, der sich aus unterschiedlichen Faktoren wie Berufswahl und Erwerbsbiografien der Frauen und Männer ergibt. Somit bezieht der unbereinigte Gender Pay Gap auch den Teil des Verdienstunterschieds mit ein, der durch individuelle persönliche Präferenzen und Entscheidungen oder möglicherweise auch durch unterschiedliche Zugangschancen von Frauen und Männern hinsichtlich bestimmter Berufe oder Karrierestufen verursacht wird.

Die Berechnung erfolgt auf Basis der Daten der vierjährlichen Verdienststrukturerhebung. Sofern nicht anders vermerkt, werden alle abhängigen Beschäftigungsverhältnisse der Wirtschaftsabschnitte A-S in die Berechnung einbezogen. In den Jahren zwischen zwei Verdienststrukturerhebungen werden die Ergebnisse mit den Veränderungsraten aus den Jahresergebnissen der Vierteljährlichen Verdiensterhebungen fortgeschätzt.

Der unbereinigte Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern in Hessen lag im Jahr 2017 gegenüber den Vorjahren nahezu unverändert bei 24 Prozent und damit beim gleichen Wert wie 2007; d. h., der durchschnittliche Bruttostundenverdienst aller Frauen lag um fast ein Viertel niedriger als der aller Männer. Auch im Jahr 2014 lag der unbereinigte Gender Pay Gap in Hessen bei gerundet 24 Prozent.

Bereinigter und unbereinigter Gender Pay Gap nach Bundesländern

Für Deutschlang lag der unbereinigte Gender Pay Gap im Jahr 2014 bei 22 Prozent. Zwischen den Bundesländern variiert der unbereinigte Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern stark. Im Jahr 2014 reichte die Spanne von 27 Prozent in Baden-Württemberg bis 5 Prozent in Sachsen-Anhalt. Die vergleichsweise geringen Lohnunterschiede in den ostdeutschen Bundesländern sind im Wesentlichen auf andere historisch bedingte Entwicklungen hinsichtlich geschlechterspezifischer Rollenbilder, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und einen höheren Akademikeranteil unter Frauen zurückzuführen.

Auch der bereinigte Gender Pay Gap wird auf Basis der vierjährlichen Verdienststrukturerhebung berechnet. Hier wird jener Teil des Verdienstunterschieds herausgerechnet, der auf strukturelle Unterschiede zwischen den Geschlechtergruppen zurückzuführen ist, wie Unterschiede bei Berufen, Beschäftigungsumfang, Bildungsstand, Berufserfahrung oder der Anteil von Frauen in Führungspositionen. Der bereinigte Gender Pay Gap beschreibt somit den Verdienstunterschied von Frauen und Männern in einer vergleichbareren Situation.

Es muss berücksichtigt werden, dass der so ermittelte Wert eine Obergrenze ist. Er wäre geringer ausgefallen, wenn weitere Informationen über lohnrelevante Einflussfaktoren, wie insbesondere Angaben zu (familienbedingten) Erwerbsunterbrechungen, für die Analysen zur Verfügung gestanden hätten.

In Hessen verdienten Frauen im Durchschnitt nach dem so berechneten bereinigten Gender Pay Gap, also unter der Voraussetzung vergleichbarer Tätigkeit, äquivalenter Qualifikation, vergleichbarer Leistungsgruppe, gleichem Dienstalter und einer Beschäftigung mit vergleichbarem Umfang, im Jahr 2014 pro Stunde 6,9 Prozent weniger als Männer. Für Deutschland lag der bereinigte Wert im Jahr 2014 bei 5,6 Prozent. Das oben zum unbereinigten Gender Pay Gap dargestellte Länderranking verändert sich deutlich.

Bereinigter und unbereinigter Gender Pay Gap nach Bundesländern

In absoluten Größen ausgedrückt hatten Frauen im Jahr 2014 durchschnittlich einen Bruttostundenverdienst von 16,04 Euro und damit 5,12 Euro (24,2 Prozent) weniger als Männer (21,16 Euro). Einen großen Teil (1,27 Euro) dieses unbereinigten Verdienstabstands erklären die unterschiedlichen Arbeitsplatzanforderungen hinsichtlich Qualifikation und Führungskompetenzen. Zudem lassen sich 0,80 Euro durch die ungleiche Verteilung von Frauen und Männern auf Berufe und Wirtschaftszweige und 0,63 Euro durch den unterschiedlichen Beschäftigungsumfang erklären. Sonstige Faktoren wie Dienstalter, Unternehmensgröße etc. machen zusammen 0,76 Euro des unbereinigten Verdienstunterschieds aus. Schließlich bleibt ein mit den einbezogenen Merkmalen nicht erklärbarer Verdienstunterschied (bereinigter Gender Pay Gap) in Höhe von 1,45 Euro (6,9 Prozent).

Verdienstunterschiede zwischen Männer und Frauen 2014 in Hessen

Ein Methoden- und Ergebnisaufsatz mit ausführlicheren Informationen finden sich in Publikation "WISTA - Wirtschaft und Statistik", 4/2018 des Statistischen Bundesamtes.