Revision des Verbraucherpreisindex für Deutschland 2019

Allgemein bezeichnet Revision in der amtlichen Statistik eine Überarbeitung bereits veröffentlichter Ergebnisse. Der Verbraucherpreisindex für Deutschland muss dem Wandel in den Verbrauchs- und Einkaufsgewohnheiten Rechnung tragen und neue Entwicklungen berücksichtigen. Er wird daher in der Regel alle fünf Jahre überarbeitet. Im Zuge der Umstellung auf ein neues Basisjahr – von 2010 auf 2015 – werden die Wägungsschemata aktualisiert. Darüber hinaus werden methodische Verbesserungen in der Verbraucherpreisstatistik umgesetzt. Beides kann auch die veröffentlichte Preisentwicklung verändern.

Teilweise werden im Rahmen der Revision bisher nicht verfügbare Daten in die Berechnung miteinbezogen oder methodische und konzeptionelle Änderungen, auch rückwirkend, vorgenommen. Im Zuge einer Revision des Verbraucherpreisindex werden die Ergebnisse zurück bis zum Januar des neu eingeführten Basisjahres neu berechnet. Diese Umstellung gilt somit auch rückwirkend bis einschließlich Januar 2015. Weiter zurückliegende Zeiträume werden nicht neu berechnet, sondern lediglich auf das neue Basisjahr 2015 rechnerisch umbasiert. Das neue Basisjahr 2015 ersetzt nun das bisherige Basisjahr 2010. Das bedeutet, dass der Verbraucherpreisindex im Jahresdurchschnitt 2015 auf den Wert 100 gesetzt ist.

Das Wägungsschema für Waren und Dienstleistungen auf neuer Basis zeigt insgesamt nur geringfügige Änderungen des Verbrauchsverhaltens. Die größte Abweichung zwischen dem neuen und alten Wägungsschema liegt im Ausgabenanteil für Wohnen vor. Die Steigerung um 0,8 Prozentpunkte von der Basis 2010 auf die Basis 2015 ist größtenteils darauf zurückzuführen, dass die Garagenmiete von dem Bereich Verkehr zu dem Bereich Wohnen umsortiert wurde. Der Wägungsanteil für den Teilbereich Nettokaltmiete ist hingegen gesunken. Grund hierfür ist, dass die Ausgaben für den Teilbereich Mieten weniger stark gestiegen sind als die Ausgaben für den gesamten Warenkorb.

Grafik, Wägungsschemata

Im Wägungsschema der neuen Basis haben Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke einen Ausgabenanteil von 9,7 Prozent. Nach alter Basis lag dieser Anteil bei 10,3 Prozent. Bei diesem Rückgang spielen mehrere, teilweise auch gegenläufige Effekte eine Rolle. Grundsätzlich ist es ein typisches Phänomen in entwickelten Industrienationen, dass die Ausgaben für Nahrungsmittel gemessen an den Gesamtausgaben immer kleiner werden. Verbraucherinnen und Verbraucher mit hohem Einkommen geben relativ gesehen immer weniger für Nahrungsmittel aus. Haushalte mit vergleichsweise niedrigem Einkommen reagieren vermutlich auf überproportional steigende Preise und steigen auf Güter einfacherer Qualität oder auf preisgünstigere Geschäfte um. Allerdings dürfte auch das Bewusstsein für ökologische Nahrungsmittel gewachsen sein, wodurch auch gegebenenfalls höhere Preise für Nahrungsmittel gezahlt werden. Ein weiterer dämpfender Effekt für den Anteil der Nahrungsmittel könnte sein, dass mehr außer Haus gegessen wird. Darauf deutet der höhere Ausgabenanteil bei Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen hin. Im Wägungsschema auf neuer Basis wenden die Konsumentinnen und Konsumenten 3,6 Prozent ihrer Ausgaben für Gaststättendienstleistungen auf, während es im Jahr 2010 noch 0,2 Prozentpunkte weniger waren. In der Summe dieser Effekte nimmt der Anteil der Nahrungsmittel und alkoholfreien Getränke leicht ab.

Insgesamt wirken sich die Anpassungen durch die Revision 2019 eher dämpfend auf die Inflationsraten aus. Insbesondere im Jahre 2017 liegen die Preisanstiege auf neuer Basis etwas niedriger. Die Spanne der Revisionsdifferenzen für einzelne Monate reicht von 0,1 (April 2016) bis -0,7 (Januar 2017). Die Revisionsdifferenzen ergeben sich als Differenz zwischen den neu berechneten und den bisher berechneten Jahresveränderungsraten.

Verbraucherpreisindex für Hessen

Die Veränderungsraten sind durch die Revision über den gesamten Zeitraum betrachtet tendenziell kleiner geworden. Insgesamt liegen die Einflüsse durch die Überarbeitung im Vergleich zu vorangegangenen Revisionen im üblichen Bereich.

Ausführlichere Informationen, insbesondere auch zu methodischen Änderungen, finden sich im „Hintergrundpapier zur Revision des Verbraucherpreisindex für Deutschland 2019“ des Statistischen Bundesamtes.