Preise

Verbraucherpreisindex

a) Datengewinnung

Preiserhebung:

Für die monatliche Ermittlung der Preisentwicklung werden Preise erhoben, dabei wird von einem "Warenkorb" ausgegangen, der sämtliche von privaten Haushalten in Deutschland gekaufte Waren und Dienstleistungen repräsentiert. Der Warenkorb lässt sich auf zwei Ebenen betrachten.

Die obere Ebene umfasst rund 650 Güterarten wie beispielsweise Salz, Kindershirt, Taxifahrt oder Zeitschrift. Diesen Güterarten sind Wägungsanteile (Gewichte) zugeordnet, mit denen die jeweiligen Preisentwicklungen in den Verbraucherpreisindex einfließen. Auf dieser Ebene bleibt der Warenkorb einschließlich der Gewichte über fünf Jahre konstant.

Für die Güterarten der oberen Ebene des Warenkorbes werden in jedem ausgewählten Geschäft konkrete Einzelprodukte, zum Beispiel eine Packung mit 500 Gramm Jodsalz einer bestimmten Marke, für die Preismessung ausgewählt. Diese konkreten Einzelprodukte stellen die untere Ebene des Warenkorbes dar. Auf dieser Ebene der einzelnen Preisrepräsentanten wird der Warenkorb ständig angepasst, da wegfallende oder an Marktbedeutung verlierende Güter ersetzt oder neue Gütervarianten aufgenommen werden.

Insgesamt werden für den Warenkorb auf der unteren Ebene über 25 000 Einzelpreise in Hessen und über 300 000 Einzelpreise in Deutschland erfasst. Diese werden zu den Güterarten (obere Ebene) zusammengefasst, die im Wägungsschema für Waren und Dienstleistungen zusammen mit ihrem Anteil an den Konsumausgaben privater Haushalte festgehalten sind. Im Rahmen einer gezielten Auswahl werden repräsentative Städte und Gemeinden und dort wiederum repräsentative Geschäfte für die Preiserhebung ausgewählt. Die unterschiedlichen Marktanteile der Geschäftstypen (zum Beispiel Warenhäuser, Supermärkte, Fachgeschäfte, Online-Shops) werden durch explizite Gewichtung berücksichtigt.

Für die Auswahl der einzelnen Produkte gibt es sehr detaillierte Vorgaben vom Statistischen Bundesamt, die durch das Wissen über regionale Besonderheiten in den Statistischen Landesämtern beziehungsweise bei den Preisermittlerinnen und Preisermittler vor Ort ergänzt werden. Diese erheben nach den Vorgaben dann jeweils die Preise für die am häufigsten verkauften Produkte in den Berichtsstellen.

Datenquellen für die Gewichtung:

Eine wesentliche Voraussetzung für die Berechnung zuverlässiger Preisentwicklungen ist die Bereitstellung sehr genauer Informationen darüber, welchen Anteil die einzelnen Transaktionen in der Grundgesamtheit haben. Die Aggregation der Preise für die 300 000 Waren und Dienstleistungen zu den Teilindizes für die 650 Güterarten erfolgt unter Verwendung des Wägungsschemas für die Geschäftstypen und für die Bundesländer. Die Teilindizes für die 650 Güterarten werden im Anschluss unter Verwendung des Wägungsschemas für Waren und Dienstleistungen zum Gesamtindex aggregiert. Für die Berechnung der einzelnen Wägungsschemata werden verschiedene Sekundärdatenquellen verwendet:

  • Geschäftstypengewichtung: Für die Geschäftstypengewichtung wird der Marktanteil der Geschäftstypen bei der jeweiligen Güterart zu Grunde gelegt. Zentrale Quellen für die Berechnung der Marktanteile sind Marktforschungsdaten zur Umsatzverteilung im Einzelhandel und die amtliche Handelsstatistiken des Statistischen Bundesamtes. Für die Regionalisierung auf Bundeslandebene wird zusätzlich auf Kenntnisse der Statistischen Landesämter zurückgegriffen.
  • Gewichtung der Bundesländer: Die Gewichtung der Bundesländer richtet sich nach dem Anteil der Bundesländer an den gesamten privaten Konsumausgaben im Inland und ist für alle Güterarten gleich. Die Informationen hierzu stammen aus den Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder.
  • Gewichtung der Waren und Dienstleistungen: Die Basisinformationen für die Berechnung der Gewichtung der Güterarten stammen aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS). Diese werden anhand der Ergebnisse der Laufenden Wirtschaftsrechnungen (LWR) aktualisiert und ergänzt. Schließlich werden die Ergebnisse der EVS und der LWR im Statistischen Bundesamt zusammengefasst und anhand zusätzlicher Informationen weiter unterteilt und korrigiert, zum Beispiel anhand von Daten aus den Verbrauchssteuerstatistiken. Das Wägungsschema ist für alle Bundesländer gleich.

b) Durchführung der Datengewinnung

Zur Ermittlung des Verbraucherpreisindex für Deutschland werden verschiedene Formen der Datengewinnung genutzt, dabei werden die für die einzelnen Güterarten jeweils effizientesten der folgenden Erhebungswege genutzt:

  • Erhebung vor Ort in den einzelnen Erhebungseinheiten durch Preisermittlerinnen und Preisermittler,
  • Zentrale Erhebung in einer Filiale bei Einzelhandelsketten mit einheitlicher Preisgestaltung durch besonders geschulte Preisermittlerinnen und Preisermittler,
  • Auswertung von Katalogen, Tarifwerken, Gebührenordnungen, Gesetzen und Verwaltungsvorschriften,
  • Erhebung im Internet,
  • Meldung über das Online-Meldeverfahren IDEV oder telefonische Befragung der Erhebungseinheiten bei ausgewählten Produkten und
  • Zugriff auf spezielle Datenbanken oder Kauf von Daten bei privaten Anbietern.

Für einen großen Teil der Waren und Dienstleistungen werden die Preise in Hessen von 57 Preisermittlerinnen und Preisermittler des Hessischen Statistischen Landesamtes vor Ort in vielen Gemeinden ermittelt. Für die Messung der Preisentwicklung erfassen sie zum Großteil mittels mobiler Datenerfassungsgeräte (Smartphones) Monat für Monat die Preise der gleichen Produkte in denselben Geschäften. Entsprechend werden auch bei den anderen Erhebungswegen immer die Preise der gleichen Produkte beobachtet. Ein einmal für die Preisbeobachtung ausgewählter Artikel wird nur dann gegen einen anderen ausgetauscht, wenn er nicht mehr oder nur noch wenig verkauft wird.

c) Indexberechnung

Die Preisindexberechnung erfolgt vorwiegend über das Aufbereitungsprogramm. Im ersten Schritt werden vorübergehend fehlende Daten (zum Beispiel aufgrund saisonaler Einflüsse) mittels geeigneter Verfahren, in der Regel mit der Preisentwicklung vergleichbarer Güter, fortgeschrieben. Durch Mengen- und Qualitätsbereinigungsverfahren wird zudem gewährleistet, dass trotz Änderungen im Produktangebot bei der Preismessung "Gleiches mit Gleichem" verglichen wird und somit Preisänderungen als "reine Preisentwicklung" interpretiert werden können. Bei der Qualitätsbereinigung kommen verschiedene Verfahren zum Einsatz. In vielen Fällen kann das alte Produktangebot durch ein zumindest annähernd qualitativ vergleichbares Produktangebot ersetzt werden. Dann ist ein direkter Preisvergleich möglich.

In einigen Fällen ist es jedoch nicht möglich, ein qualitativ vergleichbares und gleichzeitig repräsentatives Produktangebot am Markt zu finden. Dann wird der Qualitätsunterschied zwischen ersetztem Produktangebot und Ersatzproduktangebot mittels geeigneter Verfahren berechnet und berücksichtigt. So wird zum Beispiel bei Desktop-PCs, Notebooks und Gebrauchtwagen das Qualitätsbereinigungsverfahren der Hedonik eingesetzt, bei Neuwagen beispielsweise kommt die Verwendung von Optionspreisen (Ausstattungsbereinigung) zum Einsatz.

Anschließend berechnet das Aufbereitungsprogramm für jede Güterart in einem Geschäftstyp in einem Bundesland einen Elementarindex. Dabei wird die Relation von Durchschnittspreisen zwischen der Berichtsperiode und der Basisperiode gebildet. Durch Aufsummierung der einzelnen Preisbeobachtungen innerhalb eines Elementaraggregats wird der durchschnittliche beobachtete Preis ermittelt und kann mit dem Durchschnittspreis der Basisperiode verglichen werden.
Die so ermittelten Elementarindizes werden anhand der Formel nach Laspeyres aggregiert. Diese Formel wird in der deutschen Preisstatistik überwiegend angewendet. Kennzeichnend für diesen Indextyp ist, dass er die Preisentwicklung im Zeitverlauf misst und Mengen- sowie Qualitätsänderungen ausschließt. Für die Güterarten, für die Geschäftstypengewichte vorliegen, berechnet das Aufbereitungsprogramm aus den Elementarindizes unter Verwendung der güterspezifischen Geschäftstypengewichte einen Teilindex für die jeweilige Güterart in einem Bundesland.

Im nächsten Schritt werden die Ergebnisse der Länder für die jeweiligen Güterarten unter Verwendung der Ländergewichte zu Bundesergebnissen für die rund 650 Güterarten summiert. Für die Berechnung des Verbraucherpreisindex insgesamt wird der nach Geschäftstypen und Bundesländern gewichtete Teilindex für eine Güterart jeweils mit dem Ausgabenanteil gewichtet, den die privaten Haushalte in Deutschland für diese Güterart ausgeben. Preisveränderungsraten – wie beispielsweise die mit dem Verbraucherpreisindex gemessene Inflationsrate – werden am Ende des Aufbereitungsprozesses aus den Preisindexreihen abgeleitet.

Preisindizes für Bauwerke

Der Erhebungsbereich besteht im Wesentlichen aus Bauunternehmen. Die Stichprobenbildung erfolgt mit der in allen Preisstatistiken üblichen Methode der gezielten Auswahl durch die Statistischen Ämter der Länder als Erhebungsstellen. In Deutschland werden insgesamt rund 5000 Unternehmen bzw. Betriebe befragt. Der Auswahlsatz beträgt etwa 1,6 % – bezogen auf alle aktiven Bauunternehmen.

Es werden Vertragspreise (ohne Umsatzsteuer) für die Ausführung ausgewählter, fest umrissener Bauleistungen für die Monate Februar, Mai, August und November erhoben. Die durch die Statistik vorgegebenen Erhebungspositionen (Bauleistungen) sind relativ allgemein beschrieben. Die Beschreibungen sind durch die befragten Unternehmen zunächst in der Form zu ergänzen, wie diese entsprechende Bauleistungen regelmäßig und voraussichtlich über einen langen Zeitraum ausführen (Preisrepräsentanten). Hierauf müssen sich die zukünftigen Preismeldungen durch die Unternehmen beziehen. Die Daten werden in schriftlicher Form erhoben. Für die Erhebung besteht Auskunftspflicht.

Im Durchschnitt sind vom befragten Unternehmen Preise für 6 Bauleistungen anzugeben. Im Einzelnen schwankt die Anzahl der Bauleistungen, für die Preise erfragt werden, je nach Größe des befragten Unternehmens zwischen 1 und rund 25. Bei der Methode der gezielten Auswahl erfolgt keine explizite Schichtung. Es wird jedoch darauf geachtet, dass die Stichprobe die wesentlichen Merkmale des Erhebungsbereiches widerspiegelt, nämlich vor allem die Tätigkeitsschwerpunkte, Größe und regionale Streuung der Unternehmen. Eine Hochrechnung erfolgt nicht. Das Ergebnis stellt sich als gewogener Durchschnitt der ermittelten Preisentwicklungen für die einbezogenen Bauleistungen dar.

Die Befragung wird dezentral von den Statistischen Ämtern der Länder durchgeführt. Die Statistischen Ämter der Länder berechnen aus den für die einzelnen Bauleistungen gemeldeten Preisen Durchschnittsmesszahlen für die Erhebungspositionen und melden diese an das Statistische Bundesamt. Dort werden daraus auch gewogene Durchschnittsmesszahlen für Deutschland berechnet. Aus den Durchschnittsmesszahlen werden wiederum in Verbindung mit Wägungsschemata Baupreisindizes für Deutschland und die einzelnen Bundesländer berechnet. Die Indizes für Bauleistungspreise werden nach der so genannten Laspeyres-Formel berechnet. Dies bedeutet, dass die aus dem gegenwärtigen Basisjahr stammenden Wägungszahlen (Gewichte) für die ausgewählten Regelbauleistungen bis zur Umstellung auf ein neues Basisjahr konstant gehalten werden. Turnusgemäß erfolgt eine Umstellung alle fünf Jahre.

Kaufwerte für Bauland

Die Statistik der Kaufwerte für Bauland hat die Verkäufe von unbebauten Grundstücken von 100 m² und mehr zum Gegenstand, soweit sie in den Baugebieten der Gemeinden liegen und somit Baulandeigenschaften besitzen. Erhebungseinheit sind in Hessen die Geschäftsstellen der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte. Diese erhalten auf der Grundlage des Baugesetzbuches Kenntnis über alle Grundstücksverkäufe durch die beurkundenden Stellen (in der Regel Notare). Die Gutachterausschüsse liefern – in der Regel elektronisch – die erforderlichen Informationen an die Statistischen Ämter der Länder.

Es werden Preise und Merkmale der verkauften Grundstücke (Fläche, Lage, Art des Grundstücks und des Baugebietes) sowie Eigenschaften der Erwerber bzw. Veräußerer (Rechtsform, verwandtschaftliches Verhältnis) erhoben. Die Verkaufsfälle sollen sich auf im Berichtsquartal verkaufte Grundstücke beziehen. Die Daten werden schließlich an das Statistische Bundesamt übermittelt, wo sie dann zu Bundesergebnissen zusammengefasst werden.

Die Ergebnisse der Statistik der Kaufwerte für Bauland sind hinsichtlich der Zahl der Abschlüsse, der veräußerten Flächen und der Kaufsummen summarische Zusammenfassungen und hinsichtlich der Quadratmeterpreise flächengewogene Durchschnitte. Die ausgewiesenen Durchschnittswerte sind für einen zeitlichen Vergleich nur bedingt verwendbar, weil die statistischen Massen, aus denen sie ermittelt werden, sich in jedem Vierteljahr bzw. Jahr aus anders gearteten Einzelfällen zusammensetzen können. Aus diesem Grund werden auch keine prozentualen Veränderungen veröffentlicht.

Bei der Statistik der Kaufwerte für Bauland erfolgt keine zusätzliche Erhebung beim Bürger oder bei Unternehmen. Vielmehr werden der Statistik bestehende Verwaltungsdaten zu Grunde gelegt, die die befragten Gutachterausschüsse für eigene Zwecke erhoben haben.