Methodische Vorbemerkungen

Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen

Die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen (VGR) sind systematisch-methodische Darstellungen des statistisch erfassten Wirtschaftsgeschehens einer Volkswirtschaft. Sie sind das umfassendste Instrumentarium der Wirtschaftsbeobachtung und liefern für Politik, Wirtschaft und Wissenschaft unverzichtbare Informationen z. B. über das Wirtschaftswachstum, die Einkommenssituation, den Konsum oder auch die Investitionstätigkeit. So wird ein möglichst vollständiges und dennoch übersichtliches, quantitatives Gesamtbild des wirtschaftlichen Geschehens eines betrachteten Wirtschaftsraumes, z. B. des Landes Hessen, zur Verfügung gestellt.

Während die nationale Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung in Deutschland vom Statistischen Bundesamt durchgeführt wird, sind die regionalen Berechnungen Aufgabe des Arbeitskreises ”Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ (AK VGRdL). Diesem Gremium gehören alle statistischen Ämter der Länder, das Statistische Bundesamt und der Deutsche Städtetag an.

Die Ergebnisberechnung erfolgt sowohl für die nationale als auch für die regionale Ebene gemäß dem Europäischen System Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG 2010). Basierend auf der Verordnung (EG) Nr. 549/2013 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 21. Mai 2013 ist den Mitgliedstaaten der Europäischen Union rechtsverbindlich vorgeschrieben, dass sie für die Berechnung regionaler VGR-Daten für EU-Zwecke die Methodik des ESVG anzuwenden haben. Damit ist die Vergleichbarkeit volkswirtschaftlicher Daten der einzelnen Mitgliedstaaten des europäischen Wirtschaftsraumes sichergestellt.

Die wirtschaftsfachliche Darstellung folgt den offiziellen Zusammenfassungen der Wirtschaftszweigsystematik 2008 (WZ 2008).

Ergebnisberechnung

Die Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen (VGR) werden in mehrstufigen Berechnungsverfahren ermittelt und laufend aktualisiert. Die so genannten Originärberechnungen stützen sich auf eine annähernd vollständige Basis fachstatistischer Ausgangsdaten. Für ausgewählte Einzelaggregate werden darüber hinaus auf Basis der zum jeweiligen Zeitpunkt vorliegenden Ausgangsdaten Fortschreibungen durchgeführt, um dem Nutzer frühzeitig nach dem Ende des Berichtsjahres erste Ergebnisse zur Verfügung stellen zu können.

Die hier veröffentlichten Ergebnisse zu wichtigen Kenngrößen der hessischen Volkswirtschaft geben einen kleinen Einblick in das umfassende Datenangebot der regionalen Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.

Die Ergebnisse der Erwerbstätigenrechnung (ETR) gehören zu den wichtigsten Indikatoren der regionalen Arbeitsmarktbeobachtung und dienen der Information von Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Verbänden und Wissenschaft in wirtschafts-, sozial und familienpolitischen Fragen. Darüber hinaus werden die Ergebnisse der Erwerbstätigenrechnung für laufende Arbeitsmarktbeobachtungen benötigt, zur Darstellung regionaler Entwicklungen und struktureller Veränderungen der Erwerbstätigkeit, sowie als Bezugszahlen für die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen.

Dem Arbeitskreis „Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder“ (AK ETR) gehören alle Statistischen Ämter der Länder, das Statistische Bundesamt sowie der Deutsche Städtetag an. Er hat die Aufgabe, die durchschnittliche Zahl der Erwerbstätigen und deren geleistete Arbeitsstunden in einem bestimmten Berichtszeitraum gemäß den Definitionen des Europäischen Systems Volkswirtschaftlicher Gesamtrechnungen (ESVG) für die Länder sowie für die kreisfreien Städte und Landkreise nach wirtschaftlicher Gliederung zu berechnen und zu veröffentlichen.

Die dabei entstehenden Zeitreihen werden periodischen Revisionen unterzogen, um zwischenzeitlich angefallene Großzählungsergebnisse, Änderungen in der Wirtschaftssystematik, neue erwerbsstatistische Ausgangsmaterialien und neuartige Arbeitsverhältnisse einzuarbeiten.

Erwerbstätigkeit

Die Darstellung der Erwerbstätigkeit erfolgt als jahresdurchschnittliche Größe. Erwerbstätige sind alle Personen, die in Hessen ihren Wohn- und Arbeitsort haben, zuzüglich der außerhalb Hessens wohnenden Personen, die als Einpendler ihren hessischen Arbeitsort erreichen. Zu den Erwerbstätigen zählen alle Personen, die eine auf Erwerb ausgerichtete Tätigkeit ausüben, unabhängig von der Dauer der tatsächlichen oder vertraglich vereinbarten Arbeitszeit. Für die Zuordnung als Erwerbstätige ist es unerheblich, ob aus dieser Tätigkeit der überwiegende Lebensunterhalt bestritten wird oder nicht. Nicht zu den Erwerbstätigen rechnen Personen als Verwalter ihres Privatvermögens (Immobilien, Wertpapier u.Ä.). Im Falle mehrerer Tätigkeiten wird der Erwerbstätige nur einmal gezählt. Maßgeblich ist die zeitlich überwiegende Tätigkeit. In Relation mit dem preisbereinigten Bruttoinlandsprodukt wird das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigen dargestellt. Diese wichtige Größe zur Beurteilung der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Region wird auch als Arbeitsproduktivität bezeichnet.

Arbeitsvolumen

Das Arbeitsvolumen umfasst die tatsächlich geleistete Arbeitszeit aller Erwerbstätigen, die als Arbeitnehmer (Arbeiter, Angestellte, Beamte, Richter, geringfügig Beschäftigte, Soldaten) oder als Selbstständige beziehungsweise als mithelfende Familienangehörige eine auf wirtschaftlichen Erwerb gerichtete Tätigkeit ausüben. Hierzu zählen auch die geleisteten Arbeitsstunden von Personen mit mehreren gleichzeitigen Beschäftigungsverhältnissen. Hingegen gehören die bezahlten, aber nicht geleisteten Arbeitsstunden, beispielsweise Jahresurlaub, Erziehungsurlaub, Feiertage, Kurzarbeit oder krankheitsbedingte Abwesenheit nicht zum Arbeitsvolumen. Ebenfalls nicht erfasst werden die nicht bezahlten Pausen für das Einnehmen von Mahlzeiten sowie die Zeit für die Fahrten von der Wohnung zum Arbeitsplatz und zurück. Das Arbeitsvolumen umfasst somit die Gesamtzahl der während des Rechnungszeitraums am Arbeitsplatz (Beschäftigungsfall) von Arbeitnehmern und Selbstständigen innerhalb einer Region tatsächlich geleisteten Stunden. Es berücksichtigt weder Intensität noch Qualität der geleisteten Arbeit.

Weiterführende Definitionen finden Sie auf den Internetseiten des Arbeitskreises Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder (AK ETR).

Methodische Grundlagen, Definitionen und Qualität des statistischen Unternehmensregisters (PDF 510 KB)