Methodische Vorbemerkungen

Finanz- und Personalstatistiken

Die Finanz- und Personalstatistiken erfassen Tatbestände, die in unmittelbarem Zusammenhang mit der Politik und dem Wirtschaften der öffentlichen Haushalte, der Gebietskörperschaften und der ihnen zuzurechnenden Institutionen — Fonds, Einrichtungen und wirtschaftlichen Unternehmen — stehen. Vergleiche mit in anderen finanzstatistischen Publikationen nachgewiesenen Zahlen sind auf Grund von geänderten oder unterschiedlichen formalen und methodischen Grundlagen der Statistiken oftmals nur mit Einschränkungen möglich.

Im Mittelpunkt der Finanzstatistik stehen die jährliche Haushaltsrechnungsstatistik, die Einnahmen und Ausgaben aufgabenbezogen und nach Haushaltsgruppierung darstellt, und die vierteljährliche Kassenstatistik (Vierteljahresstatistik), die Einnahmen und Ausgaben nur in haushaltssystematischer Gruppierung nachweist. Ergänzend liefern die jährliche Schuldenstatistik Daten über die Verschuldung der Gebietskörperschaften und der ihnen zuzurechnenden Institutionen, die Statistik der Steuereinnahmen monatliche Daten über das kassenmäßige Aufkommen an Bundes-, Landes- und Gemeindesteuern.

Bei den Gebietskörperschaften und ihren Parafisci, als größtem gesellschaftlichen und—entsprechend der dort vorrangigen Aufgabenstellungen—ausgesprochen personalintensivem Dienstleistungsbereich, sind Zahl und Struktur der hier aktiven und ehemaligen Beschäftigten in vielerlei Hinsicht von besonderer Bedeutung. Zur Beobachtung und Analyse der Entwicklungen des aktiven Personals wird daher jährlich mit Stichtag 30. Juni die Erhebung der Personalstände (Personalstandstatistik) im öffentlichen Dienst durchgeführt. Die quantitative Erfassung und Darstellung der Empfänger von Versorgungsbezügen (Pensionen und Hinterbliebenenversorgung) erfolgt im Rahmen der jährlich zum 1. Januar durchzuführenden Versorgungsempfängerstatistik.

 

Hochschulfinanzen

Die Hochschulfinanzstatistik erhebt die Aufwendungen, Erträge und Investitionsausgaben der einzelnen Hochschulen und Hochschulkliniken nach Arten und in fachlicher und organisatorischer Gliederung sowohl bei öffentlichen als auch privaten Trägern.
Die Ergebnisse der Hochschulfinanzstatistik sind die Basis für eine Vielzahl von bildungs- und forschungspolitischen Entscheidungen. Diese Statistik stellt Informationen über die Lehr- und Forschungsstruktur der Hochschulen zur Verfügung und zeigt insbesondere die Unterschiede in der Finanzausstattung zwischen den einzelnen Lehr- und Forschungsbereichen und den einzelnen Hochschulen auf.
In Kombination mit den Hochschulstatistiken über Personal, Studierende und Prüfungen lassen sich auf ihrer Basis finanzstatistische Kennzahlen (z.B zur fächerspezifischen Finanzausstattung je
Studierenden bzw. zu der Höhe des Trägerzuschusses für ein Studium in der durchschnittlichen Fachstudiendauer) und das fächerspezifische Forschungspotential der Hochschulen berechnen. Die Hochschulfinanzstatistik liefert wichtige Daten für die Rahmenplanung für den Ausbau und Neubau von Hochschulen.

 

Umsatzsteuerstatistik

Die Umsatzsteuerstatistik wird seit 1996 jährlich durchgeführt. Sie erfasst die Umsätze im steuer-rechtlichen Sinne, d. h. neben einer Vielzahl anderer Merkmale vor allem die Entgelte für Lieferungen und Leistungen und für innergemeinschaftliche Erwerbe sowie die Vorauszahlungsbeträge an Umsatzsteuer, jeweils in regionaler und wirtschaftlicher Gliederung. Zähleinheit ist das Unternehmen. Dadurch sind die Umsätze außerhessischer Zweigbetriebe in den Ergebnissen enthalten, nicht dagegen die Umsätze der in Hessen gelegenen Filialen von Unternehmen mit Hauptsitz in einem anderen Bundesland. Die Zuordnung nach Wirtschaftsbereichen erfolgt nach dem wirtschaftlichen Schwerpunkt. So wird z. B. ein Unternehmen mit Umsatzschwerpunkt im Großhandel, das auch Einzelhandelsumsätze tätigt, mit seinen gesamten steuerbaren Umsätzen im Großhandel nachgewiesen.

 

Steuern vom Einkommen

Die Statistiken über die Steuern vom Einkommen bringen im Abstand von drei Jahren in der zusammengefassten Lohn- und Einkommensteuerstatistik Angaben zum Einkommen der natürlichen Personen. Da die Statistik einen Großteil der in der Einkommensteuererklärung erforderlichen Merkmale enthält, sind detaillierte Rückschlüsse auf Art und Höhe des Einkommens der hessischen Bevölkerung und dessen Besteuerung möglich. In die Körperschaftsteuerstatistik einbezogen sind die mit Einkommen veranlagten Körperschaften, Personenvereinigungen und Vermögensmassen. Alle Angaben liegen in regionaler Gliederung vor.

 

Gewerbesteuerstatistik

Seit ca. 25 Jahren wurde 1995 erstmals wieder eine Gewerbesteuerstatistik durchgeführt. In dieser Statistik werden in wirtschaftlicher und regionaler Gliederung die Steuermessbeträge für den Gewerbeertrag und das Gewerbekapital der hessischen Gewerbebetriebe und Betriebsstätten nachgewiesen. Anders als in der Umsatzsteuerstatistik werden die Steuermessbeträge eines Unternehmens — auch im Austausch mit den anderen Bundesländern — auf die einzelnen Betriebsstätten umgelegt. Die wirtschaftliche Zuordnung nach dem Schwerpunktprinzip gilt jedoch auch für diese Statistik. Hintergrund der Durchführung der Gewerbesteuerstatistik ist vor allem der Wegfall der Gewerbekapitalsteuer. Die Höhe der hierdurch den Gemeinden entstehenden finanziellen Einbußen sollen durch die Statistik ermittelt und in die Schlüsselzahlberechnung für die Kompensation der Gemeinden aus der Umsatzsteuer verwendet werden.

 

Realsteuerhebesätze der Gemeinden

Zu den Realsteuerhebesätzen gehören die Grundsteuer A, Grundsteuer B und Gewerbesteuer. Sie werden im Rahmen der Vierteljährlichen Kassenstatistik unmittelbar bei den Gemeinden erhoben.

 

Steuereinnahmen der Gemeinden und Gemeindeverbände

Zu den Steuereinnahmen der Gemeinden und Gemeindeverbänden zählen die Realsteuern (Grundsteuer A, Grundsteuer B, Gewerbesteuer), die Gemeinschaftssteuern (Gemeindeanteile an der Einkommen- und Umsatzsteuer), die sogenannten Bagatellsteuern (z.B. Jagdsteuer, Hundesteuer, Vergnügungssteuer) sowie manchmal auch die steuerähnlichen Einzahlungen (z.B. Abgaben von Spielbanken).

 

Finanzierungssalden der Gemeinden und Gemeindeverbände

Aus dem Saldo der bereinigten Ausgaben und Einnahmen ergibt sich der Finanzierungssaldo. Die Bereinigung der Ausgaben und Einnahmen erfolgt durch Absetzung der haushaltstechnischen Verrechnungen und besonderen Finanzierungsvorgängen. Bei hessenweiter Betrachtung werden die Zahlungen gleicher Ebene ebenfalls bereinigt - bei einzelgemeindlicher Betrachtung bleiben sie enthalten. Übersteigen die Einnahmen die Ausgaben, liegt ein Finanzierungsüberschuss vor. Sind die Ausgaben höher als die Einnahmen ergibt sich ein Finanzierungsdefizit, welches zum Beispiel durch Schuldenaufnahmen am Kreditmarkt oder Entnahmen aus Rücklagen gedeckt werden kann.

 

Ein- und Auszahlungen der Gemeinden und Gemeindeverbände und der doppisch oder kameral buchenden kommunalen öffentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen

In der Kassenstatistik werden vierteljährlich bei den Kernhaushalten und doppisch oder kameral buchenden kommunalen offentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen der Gemeinden und Gemeindeverbände, die dem Staatssektor angehören, die Ist-Ein- und Auszahlungen in der Gliederung nach Arten erfasst. Die Sozial- und Bauausgaben werden zusätzlich nach Aufgabenbereichen untergliedert und der Schuldenstand am Ende eines jeden Vierteljahres nach Art der Schulden erhoben. Die Kassenstatistik gibt damit regelmäßig ein sehr aktuelles und umfassendes Bild über die öffentlichen Finanzen der Kommunen.
In der Rechnungsstatistik werden jährlich bei den Kernhaushalten und doppisch oder kameral buchenden kommunalen offentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen der Gemeinden und Gemeindeverbände die Ein- und Auszahlungen nach Konten der Finanzrechnung und Produktgruppen erhoben.

 

Schulden der Gemeinden und Gemeindeverbände und der öffentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen

Die jährliche Schuldenstatistik liefert detaillierte Angaben über den aktuellen Schuldenstand der Gemeinden und Gemeindeverbände. Erfasst werden neben der Höhe des Schuldenstands zum 31. Dezember eines Jahres auch die Art der Schulden (zum Beispiel Wertpapierschulden, Kassenkredite, Kredite, die beiden letzteren differenziert nach dem jeweiligen Gläubiger. Die Abbildung nach dem Gläubigerprinzip bildet die Grundlage für den Ausweis der Schulden beim nicht-öffentlichen Bereich bzw. des Schuldenstands.
Weiterhin werden auch Angaben zu den im Laufe eines Berichtsjahres getätigten Schuldenaufnahmen und -tilgungen, zu den Fälligkeiten der Schulden, zu Volumen kreditähnlicher Rechtsgeschäfte (zum Beispiel ÖPP-Projekte, Finanzierungsleasing) sowie zu Haftungssummen von Gewährleistungen und Bürgschaften ermittelt.
Zusammen mit den Ergebnissen aus der Statistik über das Finanzvermögen des Öffentlichen Gesamthaushalts bildet die Schuldenstatistik die Grundlage für die Stabilitätsberichterstattung im Rahmen des europäischen Haushaltsüberwachungsverfahrens durch die Deutsche Bundesbank an die Europäische Kommission. Ihre Daten dienen zudem als Entscheidungsgrundlage für die Wirtschafts- und Finanzpolitik.

 

Finanzvermögen der Gemeinden und Gemeindeverbände und der öffentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen des Staatssektors

Die Statistik über das öffentliche Finanzvermögen wird jährlich zum Stichtag 31. Dezember als Totalerhebung durchgeführt. Ihre Ergebnisse liefern zusammen mit der Schuldenstatistik wichtige Informationen über die Finanzen des Öffentlichen Gesamthaushalts. Damit erfüllen sie den Datenbedarf wirtschaftlicher und politischer Entscheidungsträger im nationalen Rahmen und auch auf europäischer Ebene.
Das Finanzvermögen wird in dieser Statistik für die folgenden Vermögensarten erhoben: Bargeld und Einlagen, Wertpapiere und Finanzderivate, Ausleihungen (vergebene Kredite), Anteilsrechte sowie alle sonstigen Forderungen der öffentlichen Haushalte. Sowohl die Wertpapiere als auch die Ausleihungen werden dabei nach ihren Ursprungslaufzeiten (bis einschließlich 1 Jahr und mehr als 1 Jahr) und nach Emittenten beziehungsweise Schuldnern nachgewiesen.

 

Jahresabschlüsse der öffentlichen Fonds, Einrichtungen und Unternehmen

Erfasst werden öffentliche Fonds, Einrichtungen und Unternehmen, deren Eigner mehrheitlich unmittelbar oder mittelbar Kernhaushalte (Bund, Länder, Gemeinden/Gemeindeverbände und gesetzliche Sozialversicherungen) sind. Öffentliche Unternehmen entstehen durch Aufgabenauslagerungen aus den Kernhaushalten, durch Neugründungen oder durch Beteiligungserwerb und können in öffentlich-rechtlicher oder privatrechtlicher Form organisiert sein.
Die Jahresabschlussstatistik erfasst Daten der Bilanz, der Gewinn- und Verlustrechnung, des Anlagenachweises sowie der Verwendung des Jahresergebnisses. Der Erhebungskatalog berücksichtigt auch die Besonderheiten der Rechnungslegungsvorschriften für Eigenbetriebe, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen. Darüber hinaus wird die Anzahl der Beschäftigten erhoben und die Art der Rechnungslegungsvorschriften, die dem Abschluss zugrunde liegen (Eigenbetriebs-/ Landeshaushaltsrecht, HGB, Krankenhaus- und Pflegebuchführungsverordnung, IAS/IFRS, sonstige Rechnungslegung).

 

Personal des öffentlichen Dienstes

Daten zum Personal des öffentlichen Dienstes werden jährlich zum Stichtag 30. Juni im Rahmen der Personalstandstatistik erhoben. Die Personalstandstatistik enthält für den öffentlichen Dienst detaillierte Angaben beispielsweise zu Alter, Besoldungs- oder Entgeltgruppen, Beschäftigungsumfang, Bruttomonatsbezügen und Aufgabenbereichen.
Neben dem öffentlichen Dienst werden in der Personalstandstatistik auch öffentlich bestimmte privatrechtliche Einrichtungen und Unternehmen mit einem eingeschränkten Merkmalskatalog erfasst. Öffentlicher Dienst und öffentlich bestimmte privatrechtliche Einrichtungen werden zusammen als "öffentliche Arbeitgeber" bezeichnet.

 

Versorgungsempfänger

Die Versorgungsempfängerstatistik liefert Daten über die Leistungsberechtigten des öffentlich-rechtlichen Alterssicherungssystems. Hierzu gehören Versorgungsempfänger und -empfängerinnen nach Beamtenversorgungsrecht und nach beamtenrechtlichen Grundsätzen.
Die Versorgungsempfängerstatistik wird jährlich zum Stichtag 1. Januar erhoben. Sie enthält detaillierte Angaben beispielsweise zu Besoldungsgruppen, Alter, Bruttomonatsbezügen und Aufgabenbereichen sowie zu Zu- und Abgängen des Vorjahres. Für die Pensionierungen des Vorjahres liegen darüber hinaus Angaben zu den Pensionierungsgründen vor.