Methodische Vorbemerkung

Gegenstand der Außenhandelsstatistik ist der grenzüberschreitende Warenverkehr Hessens mit dem Ausland. In diesem Sinne entspricht das Ausland dem Gebiet außerhalb der Bundesrepublik Deutschland. Der grenzüberschreitende Warenverkehr beinhaltet alle körperlich ein- und ausgehenden Waren sowie elektrischen Strom. Dienstleistungen sind grundsätzlich keine Bestandteile der Außenhandelsstatistik. Ausgenommen hiervon ist das Veredelungsgeschäft, dieses wird in der Außenhandelsstatistik erfasst.

Den Ergebnissen der Außenhandelsstatistik liegen im Allgemeinen die Angaben der Importeure und Exporteure zu Grunde. Die Aufbereitung erfolgt zentral im Statistischen Bundesamt.

Das Konzept der Außenhandelsstatistik unterscheidet zwischen dem Ursprungsland (Einfuhr) und dem Bestimmungsland (Ausfuhr). Das bedeutet für die Einfuhren, dass der Warenwert (bzw. die Menge) dem Land zugeordnet wird, in dem eine Ware vollständig gewonnen oder hergestellt wurde oder ihre letzte wesentliche und wirtschaftlich gerechtfertigte Be- oder Verarbeitung erhalten hat. Bei der Ausfuhr wird der Warenwert dem Land zugeordnet, in dem die Waren ge- oder verbraucht bzw. be- oder verarbeitet werden sollen. Nur wenn das Ursprungs- oder Bestimmungsland nicht bekannt ist, wird der Warenwert dem Land zugeordnet, aus dem die Ware versendet wurde bzw. in das die Ware verbracht werden soll.

Erläuterung der Begriffe

Menge: Eigenmasse bzw. Reingewicht der Ware in Kilogramm oder Tonnen (= 1 000 kg). Für ausgewählte Warenarten werden die Mengen auch in anderen Maßeinheiten wie z. B. Stück, Liter oder Kubikmeter ausgewiesen.

Wert: Entsprechend den internationalen Standards wird als Warenwert der Grenzübergangswert („Statistischer Wert“) zu Grunde gelegt. Dies ist der Wert der Ware an der deutschen Außengrenze. Der Statistische Wert ergibt sich in der Regel aus dem in Rechnung gestellten Entgelt für eine Ware beim Kauf (Einfuhrgeschäft) oder Verkauf (Ausfuhrgeschäft), wobei eine Kostenabgrenzung frei deutscher Grenze vorzunehmen ist. Zölle, Steuern oder andere Abgaben sind nicht im Statistischen Wert enthalten. Bei der Ausfuhr/Einfuhr nach Veredelung ist stets der volle Warenwert einschließlich der Veredelungskosten und der Vertriebskosten anzusetzen.

Bestimmungsland: Land, in dem die Ware gebraucht oder verbraucht bzw. bearbeitet oder verarbeitet werden soll. Ist das Bestimmungsland nicht bekannt, so gilt das letzte bekannte Land, in das die Ware verbracht werden soll, als Bestimmungsland.

Ursprungsland: Das Land, in dem die Ware vollständig gewonnen oder hergestellt wurde. Sind an der Herstellung zwei oder mehr Länder beteiligt, so ist es das Land, in dem die letzte wesentliche Bearbeitung oder Verarbeitung stattgefunden hat. Ist das Ursprungsland nicht bekannt, tritt an dessen Stelle das Versendungsland. Das Versendungsland entspricht dem Land, aus dem die Ware in die Bundesrepublik Deutschland verbracht worden ist.

In der Außenhandelsstatistik wird zwischen dem Generalhandel und dem Spezialhandel unterschieden. Der Generalhandel enthält alle in das Erhebungsgebiet eingehenden bzw. aus dem Erhebungsgebiet ausgehenden Waren mit Ausnahme der Waren der Durchfuhr und des Zwischenauslandsverkehrs. Der Spezialhandel umfasst hingegen im Wesentlichen nur die Waren, die zum Gebrauch oder Verbrauch, zur Bearbeitung oder Verarbeitung in das Erhebungsgebiet eingehen und die Waren, die aus der Erzeugung und der Be- und Verarbeitung aus dem Erhebungsgebiet stammen und ausgehen. Der wesentliche Unterschied zwischen Spezial- und Generalhandel besteht im Nachweis des Lagerverkehrs. Anders als der Spezialhandel enthält der Generalhandel die Einfuhr von Waren auf Lager sowie die Ausfuhr von Waren aus Lager. Im Generalhandel nicht eingeschlossen (dafür aber im Spezialhandel) sind die Einfuhren aus Lagern in den freien Warenverkehr oder die aktive Veredelung.

Während die Ausfuhrergebnisse des hessischen Außenhandels als Spezialhandel dargestellt werden, lässt sich aus erhebungstechnischen Gründen in der Gliederung nach Bundesländern die Einfuhr ausschließlich als Generalhandel abbilden. Damit enthält die hessische Einfuhr zusätzlich zu den Waren, die zum Gebrauch, zum Verbrauch, zur Bearbeitung und zur Verarbeitung bestimmt sind, auch auf Lager genommene Waren, die durch Spediteure und Händler über Hessen als Zielland eingeführt und danach in andere Bundesländer weitergeleitet werden. Wegen der unterschiedlichen Abgrenzung von General- und Spezialhandel ist eine Saldierung der Import- und Exportergebnisse aus methodischen Gründen nicht sinnvoll.

Erhebungstechnisch wird in der Außenhandelsstatistik zwischen dem Intra- und dem Extrahandel differenziert:

Im Rahmen der Intrahandelsstatistik wird der Warenverkehr mit den Mitgliedstaaten der Europäischen Union erfasst. Das Erhebungssystem umfasst hier eine direkte Befragung der importierenden sowie exportierenden Unternehmen. Auskunftspflichtig sind grundsätzlich alle in Deutschland umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen, die innergemeinschaftliche (d.h. innerhalb der EU) Warenverkehre durchführen. Von der Auskunftspflicht befreit sind Unternehmen, deren innergemeinschaftliche Warenverkehre je Verkehrsrichtung im Vorjahr bzw. im laufenden Jahr den Wert von 500 000 Euro bei der Versendung und 800 000 Euro bei den Eingängen nicht überschritten hat (bis einschließlich 2015 betrug die Schwelle je Verkehrsrichtung 500 000 Euro).  

Die Extrahandelsstatistik bildet den Warenverkehr mit Ländern außerhalb der Europäischen Union ab. Die Erhebung erfolgt über die Zollverwaltung. Dieses Erhebungssystem garantiert eine nahezu vollständige Erfassung des grenzüberschreitenden Warenverkehrs. Im Rahmen der Extrahandelsstatistik sind – bis auf wenige Ausnahmen – Warensendungen von weniger als 1 000 Euro von der Anmeldung befreit.

Die vorstehend genannten Befreiungen sind in den Außenhandelsergebnissen als Zuschätzungen enthalten.

Nicht einbezogen sind ferner Waren und Verkehrsvorgänge, die gemäß § 31 der Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Statistik des grenzüberschreitenden Warenverkehrs (AHStatDV) von der Anmeldung zur Außenhandelsstatistik befreit sind, darunter Waren, die von den in der Bundesrepublik Deutschland stationierten ausländischen Streitkräften selbst ausgeführt werden, sowie Gold und Silber für internationale Zahlungen.

Die Benennung und Gruppierung der Waren in tabellarischen Darstellungen erfolgt nach dem Verzeichnis "Warengruppen und Warenuntergruppen der Ernährungswirtschaft und der Gewerblichen Wirtschaft". Die Warenuntergruppen stellen in der Regel Zusammenfassungen mehrerer Nummern des Warenverzeichnisses für die Außenhandelsstatistik dar.

Asymmetrien in der Außenhandelsstatistik: Differenzierung der Partnerländer

Werden die Außenhandelsstatistiken zweier Länder verglichen, ist die Unterscheidung der Partnerländer entscheidend und gleichzeitig eine der häufigsten Ursachen für Differenzen zwischen den Ergebnissen. Beispielsweise veröffentlicht auch Eurostat (das Statistikamt der Europäischen Union) Außenhandelsergebnisse. Hierbei sind jedoch im Vergleich zu nationalen Veröffentlichungen methodische Unterschiede zu berücksichtigen. Wie in den nationalen Außenhandelsergebnissen ist im Extrahandel das Ursprungsland maßgeblich. Hingegen gilt bei den EU-Veröffentlichungen im Intrahandel bei den Einfuhren als Partnerland das Versendungsland. Darüber hinaus weiß unter Umständen der Exporteur zum Zeitpunkt seiner Statistikmeldung nicht, für welches Land die Ware schlussendlich bestimmt ist, sodass ein vorläufiges Bestimmungsland angegeben ist. Dem Importeur im endgültigen Bestimmungsland hingegen ist das Ursprungsland bekannt und gibt es entsprechend in der Statistik an.

Ferner sorgt der sogenannte „Rotterdam-Effekt“ in der Außenhandelsstatistik für Abweichungen. Beispielsweise wird eine Ware aus den USA in Rotterdam (Niederlande) in den zollrechtlich freien Verkehr der EU überführt und anschließend nach Deutschland geliefert. In diesem Fall erfassen die Niederlande über die Zollverwaltung einen Import aus den USA (Extrahandelsstatistik) und über die Meldung zur Intrahandelsstatistik einen Export nach Deutschland. Deutschland erfasst gemäß dem Ursprungslandkonzept einen Import aus den USA mit Versendungsland Niederlande. Hierbei wären die Ergebnisse der Außenhandelsstatistik mit den Niederlanden nur dann vergleichbar, wenn die deutschen Importe nach dem Versendungslandprinzip ausgewiesen werden; nach dem Ursprungslandkonzept steht ein niederländischer Export nach Deutschland einem deutschen Import aus den USA gegenüber.

Unschärfen können ebenfalls durch den sogenannten „Dreieckshandel“ innerhalb der Europäischen Union entstehen. Ein Dreiecksgeschäft liegt vor, wenn beispielhaft eine Ware von einem spanischen Unternehmen an ein deutsches Unternehmen verkauft wird, das die Ware direkt an ein französisches Unternehmen weiterveräußert, weshalb die Ware direkt von Spanien nach Frankreich verbracht wird, ohne Deutschen Boden zu berühren. Nach der europäischen Rechtsvorschrift muss ein spanischer Export mit Ziel Frankreich und ein französischer Import mit Herkunft Spanien gemeldet werden, da gerade der physische grenzüberschreitende Warenverkehr maßgeblich ist. Hierbei kann es jedoch vorkommen, dass auch das deutsche Unternehmen eine Meldung bezüglich des Im- und Exports abgibt.

Abkürzungen

EU: Europäische Union.

EFTA: European Free Trade Association (Europäische Freihandels-Assoziation).

NAFTA: North American Free Trade Agreement (Nordamerikanische Freihandelszone).

MERCOSUR: Mercado Común del Sur (Gemeinsamer Markt im Süden Lateinamerikas).

ASEAN: Association of Southeast Asian Nations (Verband der Südostasiatischen Nationen).

OECD: Organisation for Economic Co-Operation and Development (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung).

OPEC: Organisation of the Petroleum Exporting Countries.