Inflationsrate in Hessen steigt im Mai 2022 auf 8,4 Prozent

Die Verbraucherpreise in Hessen sind im Mai 2022 um 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen. Im April hatte die Inflationsrate noch bei 7,9 Prozent gelegen. Der Anstieg des Preisniveaus im Mai ist auf Preiserhöhungen für Energieprodukte und Nahrungsmittel zurückzuführen. Ohne Berücksichtigung der Energie und der Nahrungsmittel stiegen die Verbraucherpreise im Mai 2022 in Hessen um 4,0 Prozent gegenüber Mai 2021.

Im Mai 2022 lag die Inflationsrate – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahresmonat – in Hessen bei 8,4 Prozent. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, hatte es eine höhere Inflationsrate in Hessen zuletzt vor über 48 Jahren im Dezember 1973 gegeben. Damals waren die Preise in Hessen um 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gestiegen.

Im April 2022 hatte die Inflationsrate bei 7,9 Prozent und im März 2022 bei 8,0 Prozent gelegen. Im Vergleich zum April 2022 erhöhte sich das Niveau der Verbraucherpreise im Mai 2022 um 1,0 Prozent. Der Anstieg des Preisniveaus im Mai 2022 ist auf Preiserhöhungen für Kraftstoffe und Heizöl sowie für verschiedene Nahrungsmittel infolge der weltweiten Kriegs- und Krisensituationen zurückzuführen.

Preise für Energie

Die Preise für Energie erhöhten sich im Mai 2022 durchschnittlich um 2,4 Prozent im Vergleich zum April 2022. Für Kraftstoffe mussten Verbraucherinnen und Verbraucher im Mai 2022 gegenüber dem Vormonat 4,7 Prozent mehr bezahlen, darunter verteuerte sich Superbenzin um 5,9 Prozent und Diesel um 1,9 Prozent. Heizöl kostete 3,5 Prozent mehr als im April 2022. Die Preise für den Endverbrauch von Erdgas und Strom blieben gegenüber dem Vormonat durchschnittlich unverändert.

Im Vorjahresvergleich stiegen die Preise für Energie im Mai 2022 durchschnittlich um 42,2 Prozent. Für Heizöl (plus 93,3 Prozent) mussten gegenüber dem Vorjahresmonat erheblich höhere Preise bezahlt werden. Erdgas war um 82,7 Prozent teurer. Auch für Kraftstoffe (plus 42,4 Prozent) mussten Verbraucherinnen und Verbraucher beträchtlich mehr zahlen als vor einem Jahr: Die Preise für Diesel stiegen um 50,9 Prozent, für Superbenzin um 38,7 Prozent. Diese Preiserhöhungen gegenüber dem Vorjahr sind neben der aktuell krisenbedingten Marktentwicklung nachrangig unter anderem auch von der Erhöhung der CO2-Abgabe von 25 Euro auf 30 Euro pro Tonne beeinflusst. Auch Strom (plus 22,6 Prozent) war im Mai 2022 erheblich teurer als im Mai des Vorjahres.

Ohne Berücksichtigung der gesamten Energie stiegen die Verbraucherpreise im Mai 2022 in Hessen um 4,6 Prozent gegenüber Mai 2021. Ohne Berücksichtigung der Energie und der Nahrungsmittel lag die Inflationsrate bei 4,0 Prozent und damit weniger als halb so hoch wie die Gesamtinflationsrate.

Preise für Nahrungsmittel

Die Nahrungsmittelpreise nahmen im Mai 2022 um 2,0 Prozent gegenüber April 2022 zu. Erhebliche Preissteigerungen um 9,6 Prozent gab es bei Speisefetten und -ölen, darunter stiegen die Preise für Sonnenblumenöl, Rapsöl oder Ähnliches um 31,4 Prozent und die Preise für Butter um 7,0 Prozent. Teurer im Vergleich zum Vormonat waren auch Brot und Getreideerzeugnisse (plus 4,0 Prozent) sowie Molkereiprodukte (plus 4,2 Prozent), darunter Milch (plus 3,3 Prozent). Fleisch und Fleischwaren kosteten 3,5 Prozent mehr als im Vormonat. Die Preise für Obst stiegen gegenüber April 2022 nur leicht um 0,3 Prozent. Gemüse war um 6,1 Prozent günstiger als im Vormonat.

Gegenüber Mai 2021 erhöhten sich die Preise für Nahrungsmittel im Mai 2022 spürbar um 10,4 Prozent. Überdurchschnittlich teurer waren Speisefette und -öle (plus 36,4 Prozent), darunter Sonnenblumenöl, Rapsöl oder Ähnliches (plus 60,6 Prozent) sowie Butter (plus 36,9 Prozent). Mehr als im Mai 2021 zahlten Verbraucherinnen und Verbraucher auch für Fleisch und Fleischwaren (plus 16,8 Prozent) sowie für Molkereiprodukte (plus 11,5 Prozent). Brot und Getreideerzeugnisse kosteten durchschnittlich 10,2 Prozent mehr als im Vorjahresmonat, darunter stiegen die Preise für Weizenmehl um 85,2 Prozent. Teurer waren auch Gemüse (plus 4,6 Prozent) und Obst (plus 1,3 Prozent).

Preise für Waren

Die Preise für Waren insgesamt nahmen im Mai 2022 gegenüber April 2022 um 1,5 Prozent und gegenüber Mai 2021 um 14,3 Prozent zu. Der Preisanstieg gegenüber dem Vorjahr ist von höheren Preisen für Verbrauchsgüter (plus 19,0 Prozent) bestimmt, zu denen auch die Energieprodukte und Nahrungsmittel zählen. Die Preise für Gebrauchsgüter stiegen im Mai 2022 um 5,8 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Deutlich teurer als im Mai 2021 waren zum Beispiel Computer (plus 11,9 Prozent), Fahrräder (plus 10,6 Prozent) und Personenkraftwagen (plus 9,2 Prozent). Erzeugnisse für die Instandhaltung und Reparatur der Wohnung kosteten 10,3 Prozent mehr als im Mai vor einem Jahr. Die Preise für Mobiltelefone stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,3 Prozent, die Preise für Haushaltsgroßgeräte und für Geräte der Unterhaltungselektronik um jeweils 5,8 Prozent. Bekleidungsartikel waren 5,3 Prozent teurer als im Mai 2021.

Preise für Dienstleistungen

Das Niveau der Preise für Dienstleistungen (ohne Wohnungsmieten) lag im Mai 2022 um 0,5 Prozent über dem Niveau des Vormonats und um 3,9 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats.

Im Vergleich zum Mai 2021 verteuerten sich Wartungen und Reparaturen von Fahrzeugen um 7,5 Prozent. Die Preise für Kulturdienstleistungen erhöhten sich gegenüber dem Vorjahresmonat um 1,3 Prozent. Die Preiserhöhung beim Briefporto zum Jahresbeginn 2022 führte zu einer Verteuerung für Briefdienstleistungen um 4,6 Prozent. Dagegen waren Telekommunikationsdienstleistungen gegenüber dem Vorjahresmonat um 0,9 Prozent günstiger. In Folge der Umsetzung der Pflegereform zum 1. Januar 2022 waren die Preise für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen im Mai 2022 um 2,4 Prozent geringer als im Vorjahresmonat.

Die Wohnungsmieten (Nettokaltmieten) lagen im Mai 2022 um 0,2 Prozent über dem Niveau des Vormonats. Im Vergleich zum Mai 2021 mussten Mieterinnen und Mieter 2,0 Prozent mehr bezahlen.

Hinweise:

Die exakte Auswirkung bestimmter Einflussfaktoren (Basiseffekte, CO2-Abgabe, EEG-Umlage etc.) auf die Inflationsrate ist nicht separat quantifizierbar, da die Entwicklung der einzelnen Preise grundsätzlich auch von vielen anderen Einflussfaktoren wie zum Beispiel von der Nachfrage bzw. Verfügbarkeit bestimmt ist.

Durch die Corona-Pandemie ergaben sich im Mai 2022 nahezu keine Einschränkungen bei der Preiserhebung.

Aktuelle Tabellen zum Verbraucherpreisindex finden Sie auf unserer Fachseite.

Die Ergebnisse gelten bis zur Veröffentlichung des Statistischen Berichts als vorläufig.

Auskünfte erteilt:
Ansprechpartner: Markus Stahl
Telefon: 0611 3802-635
E-Mail: preise@statistik.hessen.de