Deutschlands größte Bevölkerungsbefragung startet am 15. Mai – zehn Fakten zum Zensus in Hessen

Wie viele Menschen leben in Deutschland? Gibt es genügend Wohnraum für alle Bürgerinnen und Bürger? Wo werden mehr Kindergärten, Schulen oder Altersheime gebraucht? Um diese und andere Fragen zu beantworten, findet zum Stichtag 15. Mai 2022 wieder ein Zensus, die größte Bevölkerungsbefragung der amtlichen Statistik, statt. Die zehn wichtigsten Fakten rund um den Zensus in Hessen erfahren Sie hier.

Bald ist es wieder soweit: Zum Stichtag 15. Mai 2022 findet in Deutschland der nächste Zensus statt. Mit dieser statistischen Erhebung wird ermittelt, wie viele Menschen in Deutschland leben, wie sie wohnen und arbeiten. Viele Entscheidungen in Bund, Ländern und Gemeinden beruhen auf Bevölkerungs- und Wohnungszahlen. Um verlässliche Basiszahlen für Planungen zu haben, ist eine regelmäßige Bestandsaufnahme der Bevölkerungszahl notwendig. Daher führen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder alle zehn Jahre den Zensus durch. Ursprünglich sollte der nächste Zensus – zehn Jahre nach dem Zensus 2011 – im Jahr 2021 stattfinden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde er um ein Jahr auf 2022 verschoben.

1. Knapp 13 Prozent der Hessinnen und Hessen nehmen teil

Anders als bei einer traditionellen Volkszählung, bei der alle Bürgerinnen und Bürger direkt befragt werden, muss beim Zensus die Mehrheit der Bevölkerung selbst gar keine Auskunft geben, da in Deutschland ein sogenannter registergestützter Zensus durchgeführt wird und die Bevölkerungsdaten somit in erster Linie aus Verwaltungsregistern stammen.
In Hessen nehmen knapp 13 Prozent der Bevölkerung, also etwa 830 000 Personen, an der sogenannten Haushaltebefragung des Zensus teil. Diese Stichprobenerhebung ist notwendig, um etwaige Ungenauigkeiten der Melderegister festzustellen. Alle zur Befragung ausgewählten Personen sind zur Auskunft verpflichtet.

2. Daten sind wichtige Entscheidungshilfe für Politik und Gesellschaft

Die Ergebnisse des Zensus bilden unter anderem die Grundlage für die Entscheidung, wie viel Geld Städte und Gemeinden in Zukunft durch den Länder- und den kommunalen Finanzausgleich sowie durch EU-Fördermittel zugewiesen bekommen. Auch die Einteilung der Wahlkreise und die Stimmenverteilung im Bundesrat orientieren sich an der amtlichen – das heißt an der durch den Zensus ermittelten – Einwohnerzahl.
Darüber hinaus liefert der Zensus wichtige Daten zur Demografie, also zum Beispiel Alter, Geschlecht und Staatsangehörigkeit, aber auch zur Bildungs- und Arbeitssituation der Bevölkerung – und das bis auf Gemeinde-Ebene. Anhand der Ergebnisse kann beispielsweise ermittelt werden, wo genau in den kommenden Jahren wie viele Kinder eingeschult werden oder wo der Anteil von Seniorinnen und Senioren besonders hoch ist.

3. Auch Wohnungen und Wohngebäude werden gezählt

Neben der Einwohnerzahl und demografischen Daten wird beim Zensus auch die Zahl der Wohnungen und Wohngebäude in Deutschland ermittelt. Weil es dafür keine flächendeckenden Register gibt, werden die Eigentümerinnen und Eigentümer sowie die Verwalterinnen und Verwalter von Wohnungen oder Wohngebäuden in Hessen postalisch durch das Hessische Statistische Landesamt angeschrieben. Sie werden gebeten, die verpflichtenden Angaben zu Größe, Heizungsart, Ausstattung und Kaltmiete ihrer Wohnung bzw. ihres Wohngebäudes über einen Online-Fragebogen zu machen. Vor dem Hintergrund des aktuellen Wohnraummangels und der Bedeutung der Energiefrage spielen die Ergebnisse der Gebäude- und Wohnungszählung (GWZ) eine besondere Rolle für gesellschaftspolitische Planungen. Das Ausfüllen des Fragebogens dauert etwa zehn Minuten. Musterfragebogen zur GWZ sind unter diesem Link verfügbar.

4. Online-Auskunft ist ganz einfach

Für den Zensus 2022 werden gemäß einer „Online-First-Strategie“ in erster Linie Online-Fragebogen eingesetzt. Somit können die Auskunftspflichtigen ganz bequem mit einem Klick den Fragebogen online aufrufen und direkt am Smartphone, Tablet oder Computer beantworten. Das spart nicht nur Zeit und ermöglicht eine schnellere Verfügbarkeit der Antworten, sondern schont durch weniger gedruckte Papierbogen und wegfallende Transportwege auch die Umwelt.
Für Auskunftspflichtige bringen die Online-Fragebogen einen weiteren Vorteil mit sich: Durch eine gezielte Filterführung werden nur die Fragen angezeigt, die entsprechend der vorherigen Angaben für die Befragten relevant sind. Sie werden somit schnell und unkompliziert durch das Frageprogramm geleitet und können innerhalb weniger Minuten alle notwendigen Angaben erteilen.
Bei Bedarf können Papierbogen angefordert werden. So können auch Bürgerinnen und Bürger ohne Internetzugang ihrer Auskunftspflicht nachkommen.

5. Erhebungsstellen regeln die Befragungen vor Ort

Für die Durchführung des Zensus 2022 sind in Hessen 33 Erhebungsstellen eingerichtet worden. Sie kümmern sich um die Anwerbung, Betreuung, Schulung und Koordinierung von Interviewerinnen und Interviewern, sogenannten Erhebungsbeauftragten. Die Qualität der Erhebungen und die Einhaltung des Datenschutzes werden von den Erhebungsstellen fortlaufend sichergestellt. Eine Liste aller Erhebungsstellen in Hessen mit Kontaktdaten ist unter diesem Link auf unserer Internetseite veröffentlicht.

6. Befragungen sind kontaktarm und kurz

Erhebungsbeauftragte führen die Haushaltebefragung des Zensus vom 16. Mai bis zum 05. August vor Ort durch. Sie begehen die in der Stichprobe enthaltenen Adressen und befragen die dort wohnhaften Bürgerinnen und Bürger. Dabei beschränkt sich der direkte Kontakt zwischen den Erhebungsbeauftragten und den auskunftspflichtigen Personen auf das absolut Notwendige.
Die auskunftspflichtigen Personen erhalten zunächst eine Terminankündigung in ihrem Briefkasten. Darauf sind auch die Kontaktdaten der Erhebungsbeauftragten enthalten, um den Termin bei Bedarf verschieben zu können. Zum Termin erfassen die Erhebungsbeauftragten für jede Person im Haushalt Daten zu Vornamen, Nachnamen, Geburtsdatum, Geschlecht, Staatsangehörigkeit, Familienstand und Wohnsituation. Diese persönliche Befragung dauert nur wenige Minuten und wird an der Haus- oder Wohnungstür durchgeführt. Sie ist notwendig, damit die Erhebungsbeauftragten vor Ort ermitteln können, welche Personen tatsächlich in dem Haus bzw. der Wohnung unter der Adresse wohnen. Anschließend erhalten die Personen Zugangsdaten zu einem Online-Fragebogen, in dem sie in etwa zehn Minuten Angaben zu Ausbildung und Bildung sowie zur Berufstätigkeit machen. Musterfragebogen zur Haushaltebefragung sind unter diesem Link einzusehen.

7. Vorsicht vor Trittbrettfahrern

Die Erhebungsbeauftragten zum Zensus 2022 werden von den kommunalen Erhebungsstellen sorgfältig ausgewählt und geschult. Vor ihrem Einsatz müssen sie sich gesetzlich auf die Wahrung des Statistikgeheimnisses und zur Geheimhaltung der Erkenntnisse, die sie während und nach ihrer Tätigkeit gewonnen haben, schriftlich verpflichten. Ein Interviewerinnen- bzw. Interviewer-Ausweis in Verbindung mit einem Personalausweis bestätigt die Rechtmäßigkeit ihrer Arbeit.
Die Erhebungsbeauftragten fragen nicht nach Einkommen, Vermögen, Religion, Bankinformationen, Ausweisdokumenten, Passwörtern, Unterschriften oder Impfstatus. Sie haben keine Kenntnis über Telefonnummern oder E-Mail-Adressen der Befragten. Daher findet der Erstkontakt mit den Auskunftspflichtigen ausschließlich durch das Terminankündigungsschreiben statt. Wenn ein Anruf erfolgt, dann nur als Rückruf auf einen vorangegangenen Anrufversuch des Auskunftspflichtigen.
Erhebungsbeauftragte führen die Befragungen an der Haus- oder Wohnungstür durch. Nur auf ausdrücklichen Wunsch der auskunftspflichtigen Personen und in beidseitigem Einvernehmen wird ein Interview in der Wohnung der Befragten durchgeführt.
Bestehen Zweifel an der Legitimität der Erhebungsbeauftragten oder der Echtheit des Erhebungsbeauftragten-Ausweises, können die Betroffenen die zuständige Erhebungsstelle oder Polizeidienststelle kontaktieren.

8. Datenschutz hat oberste Priorität

Der Datenschutz steht beim Zensus 2022 an erster Stelle. Grundlage für den Datenschutz sind die Anforderungen des Bundesstatistikgesetzes und der Datenschutzgrundverordnung (DS-GVO). Bei der Erfassung und Verarbeitung der Daten werden die Vorgaben des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) und der IT-Sicherheit erfüllt.
Alle Daten zum Zensus werden ausschließlich anonymisiert ausgewertet und können nicht auf einzelne Personen zurückgeführt werden. Beim Zensus geht es nicht darum, etwas über die individuellen Lebensverhältnisse der Einwohnerinnen und Einwohner zu erfahren. Vielmehr bedeutet Statistik, dass Daten verallgemeinert, Summen gebildet und Durchschnitte berechnet werden – und gerade nicht der Einzelfall dargestellt wird. Ziel und Zweck des Zensus ist es ausschließlich, eine verlässliche Datenbasis für weitere Planungen zu erhalten. Die persönlichen Daten der Befragten sind streng geheim und dürfen weder an private noch an staatliche Institutionen weitergegeben werden. Weitere Informationen zum Datenschutz beim Zensus gibt es auf unserer Internetseite.

9. Kein Zensus ohne Gesetz

Wann und wie der Zensus 2022 durchgeführt wird, ist durch Gesetze auf Landes- und Bundesebene sowie durch Verordnungen der Europäischen Union (EU) festgelegt. Mit dem Zensus 2022 nimmt Deutschland an einer EU-weiten Zensusrunde teil, zu der alle Mitgliedstaaten alle zehn Jahre verpflichtet sind. Mehr Informationen zu den rechtlichen Grundlagen des Zensus finden Sie unter „Gesetzliche Grundlagen“ auf der gemeinsamen Zensus-Seite der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder.

10. Alle Ergebnisse werden online veröffentlicht

Die Ergebnisse des Zensus werden im November 2023 veröffentlicht. Die gemeinsame Internetseite des Bundes und der Länder www.zensus2022.de wird dabei zum zentralen Ergebnisportal, auf das alle interessierten Bürgerinnen und Bürger kostenlos zugreifen können. Eine Besonderheit der Zensus-Ergebnisse wird die hochauflösende Georeferenzierung sein: Angaben zum Alter der Bevölkerung, der Größe von Familien, den Wohnverhältnissen der Haushalte bis hin zu Miete und Leerstandsinformationen von Wohnungen werden für mehr als 11 000 Gemeinden, teilweise auch für geografische 1-km-Gitter, abrufbar sein. Dabei ist die Veröffentlichung der Daten komplett anonymisiert: Auch die Ergebnisse der Gitterzellen lassen keine Rückschlüsse auf einzelne Personen zu.
Die Ergebnisse für Hessen wird das Hessische Statistische Landesamt auch auf seiner eigenen Internetseite bereitstellen.

Hinweise:

Weitere Informationen zum Zensus 2022 in Hessen finden Sie auf unserer Internetseite. Neben detaillierten Angaben, wie die Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis sowie die Gebäude- und Wohnungszählung ablaufen und welche Daten dabei erhoben werden, sind dort auch Antworten auf häufig gestellte Fragen (FAQ) verfügbar.

Haben Sie Fragen zur Durchführung des Zensus in Ihrer Region oder möchten Sie sich als Interviewerin oder Interviewer bewerben? Kontaktieren Sie Ihre zuständige kommunale Erhebungsstelle! Aktuell werden insbesondere in den Erhebungsstellen Wissenschaftsstadt Darmstadt, Hochtaunuskreis, Landkreis Groß-Gerau, Odenwaldkreis, Wetteraukreis und Landkreis Kassel noch Erhebungsbeauftragte gesucht, aber auch anderen hessischen Erhebungsstellen fehlen noch Interviewerinnen und Interviewer in einigen Kommunen. Außerdem nimmt das Hessische Statistische Landesamt gerne Bewerbungen für die hessenweite Wiederholungsbefragung entgegen. Als Interviewerin bzw. Interviewer erwarten Sie eine abwechslungsreiche Tätigkeit und eine attraktive Aufwandsentschädigung! Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Ab sofort ist eine Service-Hotline zum Zensus in Hessen eingerichtet:
Auskünfte zu Gebäude- und Wohnungszählung gibt es unter 0611 95249072, Auskünfte zur Personenerhebung (Haushaltebefragung auf Stichprobenbasis sowie Sonderbereiche) erhalten Sie unter 0611 95249075. Die Servicezeiten sind montags bis freitags von 07:00 bis 21:00 Uhr und samstags von 09:00 bis 16:00 Uhr. Wir bitten um Verständnis, dass es bei erhöhtem Anrufaufkommen zu längeren Wartezeiten kommen kann.

Informationen zum Zensus in Deutschland erhalten Sie unter www.zensus2022.de.

Auskünfte erteilt:
Ansprechpartner: Carsten Beck
Telefon: 0611 3802-262
E-Mail: zensus-auskunft@statistik.hessen.de