Hessische Wirtschaft schrumpft 2020 um 5,6 Prozent

Das hessische Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist 2020 preisbereinigt um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Der Rückgang in Hessen war damit größer als im Bund (minus 4,9 Prozent).

Das hessische Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Summe aller in Hessen produzierten Waren und Dienstleistungen, ist 2020 preisbereinigt um 5,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr geschrumpft. Dies geht aus ersten, noch vorläufigen Berechnungen hervor, die der Arbeitskreis „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ heute vorlegte. Wie das Hessische Statistische Landesamt weiter mitteilt, war damit der Rückgang in Hessen größer als im Bund (minus 4,9 Prozent). 2019 hatte das Wirtschaftswachstum in Hessen plus 1,0 Prozent und im Bund plus 0,6 Prozent betragen (weitere Ergebnisse für frühere Jahre sind in der Grafik dargestellt). Nominal, d. h. ohne Preisbereinigung, nahm das BIP 2020 um 4,3 Prozent (Deutschland: minus 3,4 Prozent) auf 281 Milliarden Euro (Deutschland: 3 332 Milliarden Euro) ab. Das entsprach einem Anteil von 8,4 Prozent am deutschen BIP.

Grafik zum preisbereinigten Bruttoinlandsprodukt in Hessen und Deutschland 2009 bis 2020

Entwicklung der preisbereinigten Bruttowertschöpfung in den Wirtschaftsbereichen

In den Ergebnissen spiegeln sich die ökonomischen Folgen der Corona-Pandemie deutlich wider. Den größten Einfluss auf den Rückstand Hessens gegenüber dem Bund hatte der Bereich „Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation“. Mit minus 8,8 Prozent war die Entwicklung deutlich schwächer als im Bund (minus 4,9 Prozent). Maßgeblich war hier der massive Einbruch in der Luftfahrt. Die Branche hat in Hessen ein deutlich höheres Gewicht als im Bundesdurchschnitt. Die stärksten Rückgänge mussten daneben die Dienstleister im Gast- und Beherbergungsgewerbe sowie die Reisebüros und -veranstalter hinnehmen. Auch die Erbringer von personennahen wie unternehmensnahen Dienstleistungen waren erheblich von der Pandemie betroffen. Insgesamt verbuchten die Dienstleistungsbereiche ein Minus von 5,7 Prozent (Deutschland: minus 4,3 Prozent). Im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe waren es minus 9,0 Prozent (Deutschland: minus 9,7 Prozent). Der größte Bereich im Produzierenden Gewerbe, das Verarbeitende Gewerbe, blieb um 9,5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis (Deutschland: minus 10,5 Prozent). Hier waren nicht zuletzt die globalen Effekte der Pandemie ausschlaggebend; die negativen Auswirkungen auf die internationalen Liefer- und Wertschöpfungsketten verringerten sich im Verlauf des Jahres allerdings, sodass sich auch die Umsätze etwas erholten.

Das Baugewerbe konnte von der weiterhin guten Nachfrage profitieren und musste insgesamt weniger coronabedingte Einschränkungen in Kauf nehmen als viele andere Branchen. So konnte das Baugewerbe das Jahr 2020 mit einem Plus von 3,0 Prozent abschließen (Deutschland: plus 2,8 Prozent). Daneben kam nur noch der Bereich „Land- und Forstwirtschaft, Fischerei“ ohne Wertschöpfungsrückgang durch das Jahr 2020 (Hessen: plus 1,7 Prozent; Deutschland: minus 0,7 Prozent).

Erwerbstätigkeit und Arbeitsproduktivität

Das BIP im Jahr 2020 wurde von 3,491 Millionen Erwerbstätigen erwirtschaftet, die in Hessen ihren Arbeitsplatz hatten. Das waren 1,1 Prozent weniger als im Vorjahr (Deutschland: minus 1,1 Prozent). Damit war der Rückgang beim BIP stärker als bei den erwerbstätigen Personen. In der Folge sank die Arbeitsproduktivität, das preisbereinigte BIP je erwerbstätige Person, um 4,6 Prozent (Deutschland: minus 3,9 Prozent). Die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden sank, aufgrund des massiven Einsatzes von Kurzarbeit, deutlich stärker – um 5,1 Prozent (Deutschland: minus 4,7 Prozent). Die auf die Arbeitsstunde bezogene Produktivität, also das preisbereinigte BIP je Arbeitsstunde, fiel damit nur um 0,6 Prozent (Deutschland: minus 0,2 Prozent).

Jede erwerbstätige Person erwirtschaftete rein rechnerisch einen Beitrag zum hessischen BIP in Höhe von 80 610 Euro. Das waren 8,3 Prozent mehr als im Bundesmittel (74 410 Euro) und der Spitzenwert unter den Flächenländern. Dieser hohe Wert ist wesentlich durch die Wirtschaftsstruktur Hessens begründet. Beim BIP je Einwohnerin und Einwohner profitierte das Land zusätzlich von einem hohen Überschuss der Einpendelnden, die in Hessen zur Wertschöpfung beitrugen, aber nicht hier wohnten. Der Wert lag mit 44 750 Euro um 11,7 Prozent über dem Bundesmittel (40 070 Euro).

Diese und weitere aktuelle Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen sind im interaktiven VGR-Dashboard zu finden, das nun auch in der mobilen Version für Tablets und Smartphones zur Verfügung steht. Schauen Sie doch mal rein.

Hinweis:

Die Berechnungen beruhen zu diesem Zeitpunkt auf einer unvollständigen Datenbasis, da unter anderem noch nicht für alle Branchen länderspezifische Daten vorliegen. Bei den turnusmäßigen Überarbeitungen der Ergebnisse wird diese Datenbasis sukzessive ausgeweitet. Mit der heutigen Veröffentlichung wurden auch die 5 Vorjahre (2015 bis 2019) überarbeitet. Die bisher veröffentlichten Ergebnisse für diese Jahre verlieren mit der heutigen Veröffentlichung ihre Gültigkeit.

Ergebnisse zum 1. Halbjahr 2021 erscheinen Ende September 2021. Aktualisierte Daten für 2020 und die Vorjahre werden gemeinsam mit den ersten Ergebnissen für das Jahr 2021 Ende März 2022 veröffentlicht. Weitere Informationen zu Terminen und Hintergründen sind unter www.vgrdl.de zu finden.

Zum Unterschied zwischen BIP und Bruttowertschöpfung (BWS): Das Bruttoinlandsprodukt enthält neben der Bruttowertschöpfung aller Wirtschaftsbereiche eine Komponente, die nur für die Gesamtwirtschaft berechnet wird: der Saldo aus Gütersteuern abzüglich Gütersubventionen mit einem Anteil von ca. 10 Prozent am BIP.
 

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