Verbraucherpreise stiegen 2021 um 3,1 Prozent

Die Verbraucherpreise in Hessen sind im Jahr 2021 durchschnittlich um 3,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Prägend für diese Jahresinflationsrate waren insbesondere die im Vorjahresvergleich deutlichen Preissteigerungen für Energieprodukte sowie die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer in der zweiten Hälfte des Jahres 2020. Im Dezember 2021 lag die Inflationsrate bei 5,4 Prozent.

Die Inflationsrate – gemessen als Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahr – lag im Jahresdurchschnitt 2021 in Hessen bei 3,1 Prozent und damit deutlicher höher als im Jahr zuvor. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, hatte die durchschnittliche Inflationsrate im Jahr 2020 bei 0,4 Prozent und im Jahr 2019 bei 1,3 Prozent gelegen. Höher war sie mit 4,1 Prozent zuletzt im Jahr 1993. Im Laufe des Jahres 2021 war die monatlich gemessene Inflationsrate gestiegen: Im Dezember lag sie bei 5,4 Prozent, also deutlich über dem Jahresdurchschnitt.

Ein Grund für die hohen Inflationsraten im Jahr 2021 war unter anderem ein Basiseffekt: Die befristete Senkung der Mehrwertsteuer vom 1. Juli bis zum 31. Dezember 2020 führte im zweiten Halbjahr 2020 zu einem deutlich geringeren Preisniveau. Daraus entstand ein erheblicher Abstand zwischen den Preisen der Jahre 2020 und 2021, sodass die Teuerungsraten 2021 entsprechend hoch ausfielen.

Preise für Energie

Die Preise für Energie stiegen 2021 gegenüber 2020 um 11,5 Prozent, nachdem sie 2020 um 5,6 Prozent gesunken waren. Neben dem Basiseffekt durch die Mehrwertsteuersenkung im Vorjahr führten auch die seit Januar 2021 geltende CO2-Abgabe und die im Jahresverlauf gestiegenen Rohölpreise dazu, dass Verbraucherinnen und Verbraucher 2021 für Heizöl (plus 43,0 Prozent) und Kraftstoffe (plus 23,7 Prozent) deutlich mehr bezahlen mussten. Erdgas war im Jahresdurchschnitt 7,0 Prozent teurer als im Jahr zuvor. Für Strom war eine Preissteigerung um 2,0 Prozent zu verzeichnen.

Ohne Berücksichtigung der gesamten Energie hätte die Inflationsrate im Jahr 2021 in Hessen bei 2,1 Prozent gelegen.

Preise für Nahrungsmittel

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich 2021 durchschnittlich um 2,7 Prozent gegenüber 2020. Gemüse war im Jahresdurchschnitt 5,5 Prozent teurer als 2020. Speisefette und -öle kosteten 4,9 Prozent mehr: Die Preise für Butter stiegen um 4,0 Prozent und für Margarine um 6,9 Prozent. Fleisch und Fleischwaren sowie Molkereiprodukte und Eier verteuerten sich um je 3,0 Prozent. Geringere Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr waren bei Brot- und Getreideerzeugnissen (plus 1,6 Prozent) sowie Obst (plus 0,5 Prozent) zu beobachten.

Preise für Waren

Die Preise für Waren insgesamt stiegen 2021 durchschnittlich um 4,3 Prozent gegenüber 2020. Diese Entwicklung ist maßgeblich von steigenden Preisen für Verbrauchsgüter (plus 5,5 Prozent) bestimmt, zu denen auch die Energieprodukte zählen. Gebrauchsgüter waren 2021 um 2,1 Prozent teurer als im Vorjahr.

Neben den Preissteigerungen bei Energieprodukten und Nahrungsmitteln mussten Verbraucherinnen und Verbraucher im Jahr 2021 auch für Fahrräder (plus 8,0 Prozent) und Personenkraftwagen (plus 4,4 Prozent) merklich mehr bezahlen. Deutliche Preiserhöhungen um durchschnittlich 3,5 Prozent waren auch bei Erzeugnissen für die Instandhaltung und Reparatur der Wohnung zu verzeichnen. Tabakwaren (plus 3,1 Prozent), Möbel und Leuchten (plus 2,8 Prozent), Haushaltsgroßgeräte (plus 1,3 Prozent) und Bekleidung (plus 1,3 Prozent) waren ebenso teurer als im Jahr zuvor. Die Preise für Unterhaltungselektronik stiegen im Durchschnitt leicht um 0,5 Prozent. Günstiger als im Vorjahr waren 2021 Mobiltelefone (minus 3,3 Prozent).

Preise für Dienstleistungen

Die Preise für Dienstleistungen (ohne Wohnungsmieten) erhöhten sich im Jahr 2021 gegenüber 2020 um durchschnittlich 2,4 Prozent. Deutlich teurer als im Vorjahr waren Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (plus 5,0 Prozent) sowie die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (plus 4,2 Prozent). Besucherinnen und Besucher von Gaststätten mussten 2,5 Prozent mehr für die Dienstleistungen zahlen als im Vorjahr. Telekommunikationsdienstleistungen (plus 0,1 Prozent) waren 2021 nur geringfügig teurer als im Jahr 2020.

Der Anstieg der Wohnungsmieten (Nettokaltmieten) lag im Jahresdurchschnitt 2021 bei 1,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Jahr 2020 waren die Mieten durchschnittlich um 1,6 Prozent gestiegen.

Verbraucherpreise im Dezember 2021: Inflationsrate steigt leicht

Im Dezember 2021 lagen die Verbraucherpreise in Hessen um 5,4 Prozent höher als im Dezember 2020, sodass die Inflationsrate nach 4,7 Prozent im Oktober und 5,3 Prozent im November erneut leicht zunahm. Die Energiepreise waren im Dezember 2021 durchschnittlich um 22,0 Prozent höher als im Dezember 2020. Heizöl kostete 52,6 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Kraftstoffe verteuerten sich um 34,7 Prozent. Auch Erdgas (plus 27,4 Prozent) und Strom (plus 9,1 Prozent) beeinflussten die Teuerungsrate gegenüber dem Vorjahresmonat deutlich.

Für Nahrungsmittel mussten im Dezember 2021 um 6,0 Prozent höhere Preise gezahlt werden als im Vorjahresmonat. Insbesondere Gemüse (plus 9,9 Prozent) sowie Fleisch und Fleischwaren (plus 6,8 Prozent) waren deutlich teurer. Für Dienstleistungen (ohne Wohnungsmieten) mussten Verbraucherinnen und Verbraucher 3,7 Prozent mehr bezahlen als im Dezember 2020. Die Nettokaltmieten verteuerten sich um 1,5 Prozent.

Heizöl und Kraftstoffe günstiger als im November 2021

Im Vergleich zum November 2021 stieg das Niveau der Verbraucherpreise im Dezember um 0,7 Prozent. Energie war dabei 0,9 Prozent günstiger als im November 2021. Während sich Erdgas (plus 5,9 Prozent) und Strom (plus 1,9 Prozent) gegenüber dem Vormonat verteuerten, sanken die Preise für Heizöl (minus 6,1 Prozent) und Kraftstoffe (minus 4,6 Prozent) im letzten Monat des Jahres. Nahrungsmittel waren im Dezember 2021 um 1,3 Prozent teurer als im Vormonat: Die Preise für Gemüse stiegen um 4,2 Prozent und die Preise für Speisefette und -öle um 3,8 Prozent.

Hinweise:

Der Basiseffekt beschreibt den Einfluss des vergleichbaren Bezugszeitpunkts (Basis) auf die aktuelle Preisentwicklung. Er spielt insbesondere bei der Interpretation von Veränderungsraten eine Rolle. Die Höhe der monatlichen Inflationsrate hängt nicht nur von der aktuellen Preisentwicklung ab, sondern auch vom Preisniveau des Vorjahres. Gab es in der vergleichbaren Vorjahresperiode einen (starken) Preisrückgang, so wird die aktuelle Inflationsrate tendenziell höher ausfallen.

Ein solcher Rückgang des Preisniveaus war im zweiten Halbjahr 2020 zum Beispiel in Folge der temporären Mehrwertsteuersenkung zu beobachten. Um der deutschen Wirtschaft in der Corona-Krise neuen Schub zu geben, hatte der Bundesgesetzgeber die Mehrwertsteuersätze befristet vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 heruntergesetzt. Der reguläre Steuersatz sank dabei von 19 auf 16 Prozent, der ermäßigte Steuersatz von 7 auf 5 Prozent. Händlerinnen und Händlern sowie Dienstleisterinnen und Dienstleistern stand es frei, ob sie die niedrigere Mehrwertsteuer an Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben. Die exakte Auswirkung dieser Steuersenkung auf die Inflationsrate ist nicht separat quantifizierbar, da die Entwicklung der einzelnen Preise grundsätzlich auch von vielen anderen Einflussfaktoren wie zum Beispiel von der Nachfrage bzw. Verfügbarkeit bestimmt ist.

Aufgrund der Corona-Pandemie war die Preiserhebung in einigen Geschäften vor Ort bis Mai 2021 in Hessen nicht oder nur eingeschränkt möglich. Auch bestimmte Dienstleistungen durften in einigen Wochen und Monaten nicht angeboten werden, wie zum Beispiel der Besuch von Sport- und Kulturveranstaltungen sowie der Besuch von Schwimmbädern oder Gaststätten. Die Indizes und Veränderungsraten der betroffenen Positionen sind in den Tabellen mit Klammern versehen, wenn der Aussagewert eingeschränkt ist. Dies ist dann der Fall, wenn der Anteil imputierter Preise für eine Position größer als 50 Prozent ist oder wenn mehr als 50 Prozent des Wägungsanteils einer Position auf Imputationen beruht. Imputationen liegen vor, wenn Preise nicht erhoben werden konnten und deshalb auf der Basis anderer geeigneter Verfahren ermittelt wurden. Nähere Informationen zu den Fortschreibungsverfahren finden Sie auf unserer Sonderseite.

Eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen war allerdings nicht von den oben genannten Einschränkungen betroffen, so zum Beispiel die Erhebung von Mieten oder von Energieprodukten, die zusammen 30,0 Prozent der Konsumausgaben privater Haushalte ausmachen. Die Qualität der Gesamtergebnisse ist weiterhin gewährleistet.

Aktuelle Tabellen zum Verbraucherpreisindex finden Sie auf unserer Fachseite. 

Die Ergebnisse gelten bis zur Veröffentlichung der Statistischen Berichte als vorläufig.

Auskünfte erteilt:
Ansprechpartner: Markus Stahl
Telefon: 0611 3802-635
E-Mail: preise@statistik.hessen.de