Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen im September 2020 sowie vorläufige Ergebnisse zu Unternehmensinsolvenzen im Oktober 2020

Unternehmens- und Verbraucherinsolvenzen gingen im September 2020 wie in den Vormonaten weiterhin zurück. Vorläufige Ergebnisse zeigen für Oktober 2020 für die Unternehmensinsolvenzen – wie schon im August und September 2020 –niedrige Werte.

Unternehmensinsolvenzen

Im September 2020 war die Anzahl an beantragten Unternehmensinsolvenzen weiter rückläufig. Die monatliche Insolvenzstatistik wies 82 beantragte Insolvenzverfahren von Unternehmen in Hessen aus. Wie das Hessische Statistische Landesamt (HSL) weiter mitteilt, eröffneten hessische Gerichte hiervon 57 Verfahren und lehnten 25 mangels Masse ab. Die Summe der voraussichtlichen Forderungen belief sich dabei auf 113 Millionen Euro.

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nahm die Anzahl der beantragten Unternehmensinsolvenzen damit um 28 Prozent ab. Im September 2019 gab die Insolvenzstatistik noch 114 beantragte Insolvenzverfahren von Unternehmen in Hessen an.

Neu: Veröffentlichung vorläufiger Ergebnisse – Insolvenzen im Oktober 2020

Für den Monat Oktober 2020 veröffentlicht das HSL erstmals vorläufige Ergebnisse zu Unternehmensinsolvenzen. Oktober war der erste Berichtsmonat nach Auslaufen der Aussetzung der Pflicht zur Insolvenzantragsstellung für durch die Corona-Pandemie betroffene, zahlungsunfähige Unternehmen. Den Ergebnissen zufolge wurden im Oktober 84 Verfahren beantragt. Im Oktober 2019 gingen bei hessischen Gerichten noch 110 Anträge auf Insolvenzverfahren ein. Damit war auch im Oktober 2020 die Zahl an Unternehmensinsolvenzen gegenüber dem Vorjahresmonat rückläufig. Die beantragten Unternehmensinsolvenzen entsprachen den niedrigen Werten, die bereits im August und September 2020 festgestellt wurden. 

Verbraucherinsolvenzen

Wie auch im August 2020 lag im September 2020 die Anzahl der beantragten Verbraucherinsolvenzen deutlich unter dem Vorjahreswert. Insgesamt wurden 104 Verbraucherinsolvenzen beantragt: 96 Verfahren wurden eröffnet und 1 Verfahren mangels Masse abgewiesen. In 7 Fällen wurde ein Schuldenbereinigungsplan angenommen. Die Zahl der beantragten Verfahren sank damit im Vergleich zum September 2019 um 64 Prozent. Im Vorjahreszeitraum wurden noch 290 Insolvenzanträge gestellt. Bereits im August 2020 hatte die Zahl der beantragten Verbraucherinsolvenzen um 72 Prozent gegenüber August 2019 abgenommen.

Eine mögliche Erklärung für den anhaltenden, deutlichen Rückgang der Zahl der beantragten Insolvenzverfahren von Verbraucherinnen und Verbrauchern ist die geplante Reduzierung der Dauer bis zur Restschuldbefreiung. Durch das aktuell im Gesetzgebungsprozess befindliche „Gesetz zur weiteren Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens“ soll diese auf 3 Jahre reduziert werden. Bisher betrug sie in der Regel 6 Jahre. Die starken Rückgänge in der monatlichen Insolvenzstatistik weisen darauf hin, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher diese Gesetzesänderung abwarten, bevor sie ihr Insolvenzverfahren beantragen.

Grafik zur Insolvenzverfahren in Hessen 2019

Hinweise: Im Berichtszeitraum September 2020 waren durch die Corona-Pandemie betroffene Unternehmen noch von der Pflicht zur Insolvenzantragsstellung befreit. Diese Befreiung lief für akut zahlungsunfähige Unternehmen zum 30.09.2020 allerdings aus.

Ein Schuldenbereinigungsplan ist eine Vereinbarung über eine Schuldenbereinigung im Vergleichsweg. Stimmen alle Gläubigerinnen und Gläubiger diesem Plan zu, kommt es nicht zu einem Insolvenzverfahren.

Eine Restschuldbefreiung ermöglicht einer Schuldnerin oder einem Schuldner nach Ablauf einer Wohlverhaltensperiode, während der alle pfändbaren laufenden Bezüge an eine Treuhandschaft oder Insolvenzverwaltung abgetreten werden, von den verbleibenden Insolvenzschulden befreit zu werden.

Methodische Anmerkungen: Die vorläufigen Ergebnisse zu den Unternehmensinsolvenzen für Oktober 2020 basieren auf Daten, die das HSL zur Erfüllung europarechtlicher Lieferpflichten erstellt. Diese umfassen die vorläufige Anzahl an Unternehmensinsolvenzen nach Wirtschaftsabschnitten. Da diese Daten die endgültigen Ergebnisse tendenziell unterschätzen, wurden sie um einen entsprechenden Korrekturfaktor ergänzt. So können Ergebnisse zu den Unternehmensinsolvenzen früher als bisher bereitgestellt werden.

Auskünfte erteilt:
Kontakt Dr. Benjamin Hampf
Telefon: 0611 3802-468
E-Mail: Benjamin.Hampf@statistik.hessen.de