Landwirtschaftliche Pachtpreise 32 Prozent höher als 2010

Endgültige Ergebnisse der Landwirtschaftszählung 2020 zeigen, dass landwirtschaftliche Betriebe fast ein Drittel höhere Pachtzahlungen leisten mussten als im Jahr 2010. Mehr Zahlen und Informationen zum Thema „Wem gehört die Landwirtschaft?“ bietet die neue interaktive StoryMap. Darin geht es auch um Betriebe von Unternehmensgruppen, die vor allem in der Agrarstruktur ostdeutscher Bundesländer eine wichtige Rolle spielen.

Pachtflächen und Pachtpreise

Nach endgültigen Ergebnissen der Landwirtschaftszählung 2020 bewirtschafteten in Hessen insgesamt 15 100 landwirtschaftliche Betriebe 764 700 Hektar landwirtschaftlich genutzte Flächen. Davon waren 486 600 Hektar bzw. 63 Prozent Pachtflächen, 253 700 Hektar bzw. 33 Prozent selbstbewirtschaftete eigene Flächen sowie 27 500 Hektar bzw. knapp 4 Prozent Flächen, die den Betrieben unentgeltlich zur Verfügung gestellt wurden. Der Pachtflächenanteil in Hessen hat sich in den vergangenen 10 Jahren kaum verändert: Auch im Jahr 2010 betrug er gut 63 Prozent.

Im Jahr 2020 betrug das jährliche Pachtentgelt in Hessen durchschnittlich 195 Euro je Hektar. Das entspricht einem Anstieg gegenüber 2010 um 32 Prozent. Je Hektar Ackerland mussten 2020 durchschnittlich 243 Euro gezahlt werden (plus 34 Prozent), für Dauergrünland 104 Euro je Hektar (plus 21 Prozent).

Neben der Betriebsgröße hat auch die Bodenqualität großen Einfluss auf die Höhe der Pachtpreise. Deshalb mussten die höchsten Pachtentgelte vor allem in Regionen mit ertragsfähigen Böden wie in Teilen des Schwalm-Eder-Kreises (290 Euro je Hektar) oder in Kreisen mit einem hohen Anteil an Sonder- und Dauerkulturen sowie Marktnähe, wie dem Landkreis Groß-Gerau (300 Euro je Hektar) oder der Stadt Frankfurt (309 Euro je Hektar), entrichtet werden. Für den Lahn-Dill-Kreis wurde mit 80 Euro der niedrigste Hektarpreis ermittelt.

Betrachtet man den Pachtpreis bezogen auf die Betriebsgröße, sticht die Größenklasse unter 5 Hektar besonders heraus. In dieser Gruppe befinden sich überwiegend Gartenbau-, Obstbau- und Weinbaubetriebe, die meist nur kleine Flächen bewirtschaften, jedoch auf diesen Flächen je Hektar eine hohe Wertschöpfung generieren. Werden deren Pachtentgelte auf einen Hektar umgerechnet, ergibt sich ein überdurchschnittlich hoher Wert von 606 Euro je Hektar.

Große Bedeutung von Unternehmensgruppen in Ostdeutschland

Erstmals wurden im Rahmen einer Landwirtschaftszählung auch landwirtschaftliche Betriebe ermittelt, die Teil einer Unternehmensgruppe sind, da diese insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern eine große Rolle spielen. Von den rund 16,6 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Flächen in Deutschland wurden im Jahr 2020 gut 1,8 Millionen Hektar von Betrieben bewirtschaftet, die Teil einer Unternehmensgruppe waren. Das entsprach mehr als 11 Prozent der gesamtdeutschen landwirtschaftlichen Flächen.

In Hessen waren 0,4 Prozent aller Betriebe Teil einer Unternehmensgruppe. Diese Betriebe bewirtschafteten 7 000 Hektar bzw. weniger als 1 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen. Sie waren damit für die hessische Agrarstruktur nahezu unbedeutend. Dennoch hatten in Hessen 41 Unternehmensgruppen ihren Sitz, deren landwirtschaftliche Betriebe gut 15 700 Hektar in und außerhalb Hessens bewirtschafteten.

Völlig anders ist die Situation in Ostdeutschland, hier waren Unternehmensgruppen in der Landwirtschaft im Jahr 2020 sehr präsent: Betriebe von Unternehmensgruppen bewirtschafteten zwischen 23 Prozent (Sachsen-Anhalt) und 42 Prozent (Thüringen) der landwirtschaftlichen Flächen. Die Bedeutung von Unternehmensgruppen für die deutsche Agrarstruktur hat zuletzt verstärktes öffentliches Interesse erfahren. Insbesondere die Rolle landwirtschaftsferner Investoren, die landwirtschaftliche Flächen als Anlageobjekt nutzen, wird diskutiert.

Hinweise:

Betriebe von Unternehmensgruppen sind landwirtschaftliche Betriebe der Rechtsform juristische Person oder Personenhandelsgesellschaft, die Teil einer Unternehmensgruppe sind.

Bei „Unternehmensgruppen mit Sitz in…“ handelt es sich um Unternehmensgruppen mit landwirtschaftlichen Betrieben (juristische Personen oder Personenhandelsgesellschaften), deren Lage in ganz Deutschland sein kann.

Der obige Nachweis des Pachtentgelts in Euro je Hektar erfolgt für die gepachteten Einzelgrundstücke. Zusätzliche 16 600 Hektar wurden innerhalb einer sogenannten geschlossenen Hofpacht gepachtet. Deren durchschnittliches Pachtentgelt je Hektar betrug 310 Euro. Die Summe aus geschlossener Hofpacht und gepachteten Einzelgrundstücken betrug die insgesamt ausgewiesenen 486 600 Hektar.

Die Landwirtschaftszählung ist die umfassendste landwirtschaftliche Erhebung und erfasst im Abstand von zehn Jahren wichtige Daten der landwirtschaftlichen Betriebe in Hessen und den anderen Ländern. Auf Basis der Ergebnisse lassen sich bestehende Strukturen sowie Trends und Entwicklungen in der Landwirtschaft abbilden. Politik, Wirtschaft und Wissenschaft nutzen diese Daten als Informationsquelle und Entscheidungsgrundlage.

Weiterführende Informationen zum Thema Pachten und Unternehmensgruppen in der Landwirtschaft in Form einer StoryMap finden Sie in dem gemeinsamen Statistikportal des Bundes und der Länder unter https://lz2020.statistikportal.de und www.landwirtschaftszaehlung2020.de.

Insgesamt werden zehn interaktive StoryMaps zu den Themen Ackerbau, Viehbestand, Ökolandbau, Pachten, Arbeitskräfte und Beruf, Betriebsformen und Hofnachfolge, Weinbau, Dünger, Boden und Bewässerung und Viehhaltung veröffentlicht. Eine Übersicht der bereits veröffentlichten StoryMaps und weitere hessische Ergebnisse der Landwirtschaftszählung finden Sie hier.

Die Landwirtschaftszählung 2020 ist eine Stichtagserhebung zum 1. März 2020. Daher kann aus den vorliegenden Daten kein Bezug zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf einzelne Bereiche hergestellt werden.

Auskünfte erteilt:
Ansprechpartner: Herr Jörg Führer
Telefon: 0611 3802-519
E-Mail: joerg.fuehrer@statistik.hessen.de