Verbraucherpreise in Hessen stiegen 2020 durchschnittlich um 0,4 Prozent

Die Verbraucherpreise in Hessen sind im Jahr 2020 durchschnittlich um 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Prägend für die Jahresinflationsrate waren insbesondere die im Vorjahresvergleich deutlichen Preisrückgänge für Kraftstoffe und Heizöl sowie die temporäre Senkung der Mehrwertsteuer in der zweiten Jahreshälfte. Einen preistreibenden Einfluss hatte neben den steigenden Mietpreisen unter anderem die Preisentwicklung von Obst, Fleisch und Fleischwaren sowie von Tabakwaren. Zudem verteuerten sich in Folge der Corona-Pandemie auch verschiedene Dienstleistungen.

Im Jahresdurchschnitt 2020 erhöhten sich die Verbraucherpreise in Hessen gegenüber 2019 um 0,4 Prozent und damit deutlich geringer als im Jahr zuvor. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, hatte die durchschnittliche Inflationsrate im Jahr 2019 bei 1,3 Prozent und im Jahr 2018 bei 1,5 Prozent gelegen. Niedriger war sie mit 0,3 Prozent zuletzt im Jahr 2016.

Preise für Energie

Gegenüber 2019 sanken die Preise für Energie im Jahr 2020 um 5,6 Prozent, nachdem sie 2019 noch leicht um 0,5 Prozent gestiegen waren. Bedingt durch einen geringen Rohölpreis und den Einfluss der Mehrwertsteuersenkung mussten Verbraucherinnen und Verbraucher für Heizöl (minus 25,8 Prozent) und Kraftstoffe (minus 10,7 Prozent) deutlich weniger bezahlen als im Jahr 2019. Strom war dagegen im Jahresdurchschnitt 1,1 Prozent teurer als im Jahr zuvor. Für Erdgas war eine Preissteigerung um 0,4 Prozent zu verzeichnen. Ohne Berücksichtigung der gesamten Energie hätte die Inflationsrate im Jahr 2020 in Hessen bei 1,0 Prozent gelegen.

Preise für Nahrungsmittel

Die Preise für Nahrungsmittel erhöhten sich 2020 durchschnittlich um 2,2 Prozent gegenüber 2019 und damit überdurchschnittlich. Insbesondere in der ersten Jahreshälfte stiegen die Preise für Nahrungsmittel stark an, bevor sich der Preisauftrieb in der zweiten Jahreshälfte verbunden mit der Mehrwertsteuersenkung deutlich abschwächte. Obst war im Jahresdurchschnitt 6,8 Prozent teurer als 2019. Fleisch und Fleischwaren kosteten 6,2 Prozent mehr, darunter stiegen die Preise für Schweinefleisch um 10,2 Prozent sowie für Fleisch- und Wurstwaren um 8,0 Prozent. Im Bereich der Molkereiprodukte (plus 0,7 Prozent) verteuerte sich Milch um 4,8 Prozent. Geringere Preise gegenüber dem Vorjahr zahlten Verbraucherinnen und Verbraucher für Speisefette und -öle (minus 4,6 Prozent), dabei sanken die Preise für Butter um 7,9 Prozent.

Preise für Waren

Die Preise für Waren insgesamt sanken 2020 durchschnittlich um 0,8 Prozent gegenüber 2019. Den Preissteigerungen bei Nahrungsmitteln und bei Tabakwaren (plus 4,9 Prozent) standen starke Preissenkungen bei Energieprodukten und bei Bekleidungsartikeln (minus 2,1 Prozent) gegenüber. Sowohl Verbrauchsgüter als auch Gebrauchsgüter waren 2020 durchschnittlich 0,8 Prozent günstiger als im Jahr zuvor.

Langlebige Gebrauchsgüter waren um 0,6 Prozent günstiger als im Vorjahr. In dieser heterogenen Produktgruppe gingen 2020 insbesondere die Preise für Mobiltelefone (minus 7,5 Prozent) und Produkte aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik (minus 3,4 Prozent) spürbar zurück. Möbel und Leuchten sowie Haushaltsgroßgeräte waren jeweils 0,8 Prozent günstiger. Für Personenkraftwagen mussten durchschnittlich um 0,7 Prozent höhere Preise bezahlt werden.

Preise für Dienstleistungen

Die Preise für Dienstleistungen (ohne Wohnungsmieten) erhöhten sich im Jahr 2020 gegenüber 2019 um durchschnittlich 1,2 Prozent. Aufgrund von Hygienevorschriften, Zugangsbeschränkungen und eingeschränkten Öffnungszeiten verteuerten sich in Folge der Corona-Pandemie verschiedene Dienstleistungen im Jahresdurchschnitt deutlich, so zum Beispiel Sport-, Freizeit- und Erholungsdienstleistungen (plus 7,4 Prozent), Friseurdienstleistungen für Kinder (plus 8,7 Prozent), Herren (plus 4,8 Prozent) und Damen (3,7 Prozent) sowie Gaststättendienstleistungen (plus 2,0 Prozent).

Steigende Preise waren auch bei Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (plus 5,2 Prozent) und bei der Wartung und Reparatur von Fahrzeugen (plus 2,4 Prozent) zu beobachten. Preisrückgänge gab es binnen Jahresfrist bei Bahnfahrkarten im Fernverkehr (minus 14,9 Prozent) und bei Telekommunikationsdienstleistungen (minus 1,7 Prozent). Im öffentlichen Personennahverkehr wirkte die Einführung des Seniorentickets Hessen (365-Euro-Ticket) zum 1. Januar 2020 preissenkend im Bereich der Zeitkarten, sodass Verbundfahrkarten im Jahresdurchschnitt um 0,7 Prozent günstiger waren als 2019.

Der Anstieg der Wohnungsmieten (Nettokaltmieten) lag im Jahresdurchschnitt 2020 bei 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 2019 waren die Mieten durchschnittlich um 1,5 Prozent gestiegen.

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Hinweise

In Folge der Corona-Pandemie war die Preiserhebung in vielen Geschäften vor Ort in einigen Wochen und Monaten seit April 2020 nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Bestimmte Produkte durften in bestimmten Zeiträumen generell nicht angeboten werden. Die Indizes und Veränderungsraten der betroffenen Positionen sind in den Tabellen und Grafiken mit Klammern versehen, wenn der Aussagewert aufgrund eines hohen Anteils imputierter Preise eingeschränkt ist. Dies ist dann der Fall, wenn der Anteil imputierter Preise für eine Position größer als 50 Prozent ist oder wenn mehr als 50 Prozent des Wägungsanteils einer Position auf Imputationen beruht. Imputationen liegen vor, wenn Preise nicht erhoben werden konnten und deshalb auf der Basis anderer geeigneter Verfahren ermittelt wurden. Nähere Informationen zu den Fortschreibungsverfahren finden Sie auf unserer Sonderseite.

Eine Vielzahl von Waren und Dienstleistungen war allerdings nicht von den oben genannten Einschränkungen betroffen, so zum Beispiel die Erhebung der Mieten oder von Energieprodukten, die zusammen 30,0 Prozent der Konsumausgaben privater Haushalte ausmachen. Auch die Preiserhebung im Bereich der Nahrungsmittel erfolgte in Hessen weitgehend regulär vor Ort. Die Qualität der Gesamtergebnisse ist weiterhin gewährleistet.

Um der deutschen Wirtschaft neuen Schub zu geben, hatte der Bundesgesetzgeber die Mehrwertsteuer befristet vom 1. Juli 2020 bis zum 31. Dezember 2020 gesenkt. Der reguläre Steuersatz sank von 19 auf 16 Prozent, der ermäßigte Steuersatz von 7 auf 5 Prozent. Händlern und Dienstleistern stand es frei, ob und wie sie die niedrigere Mehrwertsteuer an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergeben. So konnten sie zum Beispiel auch Rabatte an der Kasse gewähren, ohne die Preisauszeichnung für den Zeitraum von einem halben Jahr ändern zu müssen. Die unterschiedlichen Vorgehensweisen von Händlern und Dienstleistern wurden bei der Preiserhebung berücksichtigt, sodass die Statistik der Verbraucherpreise in jedem Fall den tatsächlich von Verbraucherinnen und Verbrauchern zu zahlenden Preis erfasst.

Die Auswirkung der Steuersenkung auf die Inflationsrate ist nicht separat quantifizierbar, da die Entwicklung der einzelnen Preise wie immer auch von vielen anderen Einflussfaktoren, wie zum Beispiel von der Nachfrage bzw. Verfügbarkeit, bestimmt ist. Die hier dargestellten Veränderungsraten geben somit keine Auskunft darüber, in welchem Umfang die Steuersenkung an die Verbraucherinnen und Verbraucher weitergegeben wurde.

Nicht alle Waren und Dienstleistungen waren zudem von der Steuersenkung gleichermaßen betroffen. Rund 70 Prozent der im Warenkorb enthaltenen Güter sind mit dem regulären oder dem ermäßigten Steuersatz behaftet. Dagegen sind rund 30 Prozent der Güter von der Mehrwertsteuer befreit. So waren zum Beispiel Wohnungsmieten, die einen hohen Anteil an den Verbrauchsausgaben haben, nicht von der Steuersenkung betroffen.

Aktuelle Tabellen zum Verbraucherpreisindex finden Sie auf unserer Fachseite.

Die Ergebnisse gelten bis zur Veröffentlichung des Statistischen Berichts als vorläufig.

Auskünfte erteilt:
Ansprechpartner: Markus Stahl
Telefon: 0611 3802-635
E-Mail: preise@statistik.hessen.de