Baupreise für Wohngebäude in Hessen steigen 2021 um 8,2 Prozent

Der Neubau von Wohngebäuden ist in Hessen im Jahr 2021 deutlich teurer geworden. Durch die zeitweise Senkung der Mehrwertsteuer im Jahr 2020 und steigende Materialpreise erhöhten sich die Preise für die verschiedenen Bauleistungen im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 8,2 Prozent und damit so stark wie zuletzt vor 41 Jahren. Zimmer- und Holzbauarbeiten waren die größten Preistreiber.

Die Preise für den Neubau von Wohngebäuden erhöhten sich 2021 in Hessen – gemessen an den Preisindizes für Bauwerke – durchschnittlich um 8,2 Prozent. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, war dies der stärkste Anstieg der Baupreise in Hessen seit 41 Jahren. Damals, 1980, hatte es eine Teuerung in Höhe von 10,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr gegeben. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 hatte der Preiszuwachs gegenüber dem Jahr 2019 bei 1,1 Prozent gelegen.

Ein Grund für den starken Anstieg waren sehr viel höhere Materialpreise im Jahr 2021. Eine weitere Ursache ergab sich aus dem sogenannten Basiseffekt: Die befristete Senkung der Mehrwertsteuer vom 1. Juli bis 31. Dezember 2020 führte im zweiten Halbjahr 2020 zu einem deutlich geringeren Preisniveau. Daraus entsteht ein erheblicher Abstand zwischen den Preisen der Jahre 2020 und 2021, sodass die Jahresteuerungsraten 2021 entsprechend hoch ausfallen.

Preise für Rohbauarbeiten

Rohbauarbeiten beim Neubau von Wohngebäuden verteuerten sich 2021 um 9,6 Prozent gegenüber 2020. Den stärksten Preisanstieg von durchschnittlich 28,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gab es in diesem Bereich bei Zimmer- und Holzbauarbeiten. Zu den größten Preistreibern zählten zudem Betonarbeiten (plus 9,2 Prozent) und Mauerarbeiten (plus 6,9 Prozent), die zusammen einen Anteil von 63 Prozent an den Rohbauarbeiten ausmachten. Deutlich teurer als im Vorjahr waren 2021 auch Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten (plus 10,0 Prozent), Abdichtungsarbeiten (plus 9,7 Prozent), Klempnerarbeiten (plus 8,3 Prozent) sowie Erdarbeiten (plus 8,1 Prozent). Für Entwässerungskanalarbeiten mussten Auftraggebende 9,5 Prozent mehr bezahlen als im Jahr zuvor.

Preise für Ausbauarbeiten

Die Preise für Ausbauarbeiten beim Neubau von Wohngebäuden stiegen 2021 gegenüber dem Vorjahr um 6,9 Prozent. Einen erkennbaren Einfluss auf die Preisentwicklung von Ausbauarbeiten hatten Arbeiten zum Einbau von Nieder- und Mittelspannungsanlagen (plus 9,4 Prozent) sowie Tischlerarbeiten (plus 8,6 Prozent). Auch Metallbauarbeiten (plus 7,7 Prozent) und der Heizungsbau (plus 5,7 Prozent) wirkten aufgrund ihrer hohen Bedeutung beim Bau von Wohngebäuden als Preistreiber. Die Preise für Wärmedämm-Verbundsysteme verteuerten sich um 7,6 Prozent, diejenigen für den Einbau von Gas-, Wasser- und Entwässerungsanlagen um 6,3 Prozent. Überdurchschnittlich teurer wurden zudem Verglasungs- (11,7 Prozent) und Estricharbeiten (plus 9,4 Prozent). Für Fliesen- und Plattenarbeiten mussten um 7,7 Prozent höhere Preise gezahlt werden.

Preise für weitere Bauleistungen

Einen merklichen Preisanstieg um 7,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichneten 2021 auch die Bauleistungen für Außenanlagen von Wohngebäuden. Die Preise für Instandhaltungsarbeiten an Wohngebäuden ohne Schönheitsreparaturen stiegen gegenüber 2020 um 7,2 Prozent.

Etwas stärker als der Neubau von Wohngebäuden (plus 8,2 Prozent) verteuerten sich 2021 der Neubau von gewerblichen Betriebsgebäuden (plus 8,9 Prozent) und von Bürogebäuden (plus 8,3 Prozent). Für den Straßenbau mussten um 4,1 Prozent und für Brücken im Straßenbau um 8,9 Prozent höhere Preise gezahlt werden als 2020.

Hinweise:

Alle Preisentwicklungen beziehen sich auf Preise für Bauleistungen am Bauwerk einschließlich Mehrwertsteuer. Berechnungsgrundlage hierfür bilden Preise für Bauleistungen ohne Mehrwertsteuer. Die Mehrwertsteuer wird automatisiert hinzugerechnet.

Die Baupreisindizes werden aktuell auf der Indexbasis 2015 = 100 berechnet. Dieser Berechnung liegen Wägungsschemata zugrunde, die die Bauweise im Basisjahr 2015 widerspiegeln.

Der Basiseffekt beschreibt den Einfluss des vergleichbaren Bezugszeitpunkts (Basis) auf die aktuelle Preisentwicklung. Er spielt insbesondere bei der Interpretation von Veränderungsraten eine Rolle. Die Höhe der jährlichen Veränderungsrate hängt nicht nur von der aktuellen Preisentwicklung, sondern auch vom Preisniveau des Vorjahres ab. Gab es in der vergleichbaren Vorjahresperiode einen (starken) Preisrückgang, so wird die aktuelle Veränderungsrate tendenziell höher ausfallen.

Aktuelle Tabellen mit Preisindizes für Bauwerke in Hessen stehen auf der Internetseite des Hessischen Statistischen Landesamts bereit. Ausführliche Ergebnisse enthält der Statistische Bericht „Preisindizes für Bauwerke in Hessen (vierteljährlich)“. Regionalisierte Zahlen stehen nicht zur Verfügung.

Auskünfte erteilt:
Ansprechpartner: Markus Stahl
Telefon: 0611 3802-635
E-Mail: preise@statistik.hessen.de